Eine psychonautische Analyse der Gattung Coleus spp. (Teil 2: Wirksamkeitsstudien)

Im ersten Teil dieses Beitrages wurde die Gattung Coleus spp. (Buntblatt) eingehend analysiert, einzelne Spezies vorgestellt, Betrachtungen zur Chemie angestellt, Einnahmetechniken beschrieben und Erfahrungen dargelegt. Dieser -sehr kurzezweite Teil legt den Fokus auf Wirsamkeitstests, liefert dafür aber eine umfassende Bibliographie zum Thema.

7. Bioassays

In diesem Abschnitt gebe ich die Protokolle einiger ausgewählter Selbstversuche wieder, aus Platzgründen nicht alle. Ich habe erstaunliche Erfahrungen mit dieser Gattung gemacht und die Erforschung ist für mich damit noch nicht abgeschlossen. So habe ich beispielsweise noch keine adäquaten Experimente mit dem oben beschriebenen Extrakt gemacht, diese stehen in naher Zukunft aus. Die orale Einnahme von Coleus-Blättern und das Rauchen verschiedener Kultivare machten mir zumindest klar, wie wichtig die weitere Erforschung dieser Gattung ist.

7. 1. Versuch I: Rauchen getrockneter Blätter der Coleus blumei

7. 1. 1. Vorbereitungen

Ich habe für den ersten Versuch 1994 sechs getrocknete, etwa zwei Zentimeter lange Blätter (nach traditioneller ritueller Zählung also drei Paare) der originären Coleus blumei zermahlen und ohne Zugabe von Additiven (auch kein Tabak oder kein Cannabis) in eine Wasserpfeife gegeben.

7. 1. 2. Durchführung

Die Dosis wurde in einem Zug geraucht. Der inhalierte Rauch verblieb etwa 10 Sekunden in meinen Lungen, länger vermochte ich dieses kratzende Gefühl in den Alveolen nicht zu ertragen.

7. 1. 3. Ergebnisse

Ausser einem heissen Gefühl im Kopf, das durchaus auch durch andere Umstände hervorgerufen sein mochte, verspürte ich keinerlei Wirkung. Drei weitere Versuche nach dem gleichen Schema brachten innerhalb von zwei Tagen keine Änderung der pharmakologischen Effektivität. Blieb zu überlegen, ob vielleicht die Dauer der Inhalation eine entscheidende Rolle spielt. Unter Umständen lösen sich anwesende psychotrope Diterpene (oder andere Prinzipien?) in der Lunge erst nach einer gewissen Zeit, so wie dies beispielsweise bei Distickstoffmonoxyd (N2O, Lachgas) der Fall ist. Auch Versuche, den Rauch 30 Sekunden einzubehalten, blieben, wenn man die Ergebnisse unten betrachtet, auf eigenartige Art und Weise pharmakologisch erfolglos. Im Nachhinein, fast zehn Jahre nach diesem ersten Versuch, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass die verwendete, im Gartenfachmarkt auf Nachfrage erworbene Buntnessel einfach zu jung gewesen sein muss. Die Pflanze war in der Tat keine 20 Zentimeter hoch, allein mein Forschergeist bewegte mich damals dazu, die Laubernte zu testen.

7. 2 Versuch II: Rauchen getrockneter Blätter der Coleus blumei cv. Pineapple Queen und cv. Glennis

7. 2. 1 Vorbereitungen

In diesem Fall habe ich zusammen mit meiner Frau Bianca einige Bioassays mit jeweils identischer Dosis und gleichem Material unternommen. Wir nahmen jeweils ein halbes Gramm getrockneten Blattmaterials (eine ideale Wasserpfeifendosis) der blumei– Kultivare Pineapple Queen und Glennis (siehe Abbildung). Diese wurden ohne Additive in die Wasserpfeife gegeben. Hinweis: Das Experiment erfolgte nüchtern, d.h. nicht auf leeren Magen aber ohne Einfluss sonstiger Psychoaktiva, inklusive THC.

7. 2. 2 Durchführung

Der inhalierte Rauch verblieb jeweils gemessene 12 Sekunden in der Lunge.

7. 2. 3 Ergebnisse

Die Kultivare schmecken, im Gegensatz zur originalen blumei, fast neutral und kratzen nur sehr wenig. Ungefähr fünfzehn Sekunden nach dem Ausatmen legte sich ein Gefühl um meinen Kopf, als finge gerade gerauchte Salvia divinorum zu wirken an: Eine leichte Berauschtheit und koordinative Sprachschwierigkeiten, Salvia-typische Gefühle. Bianca bestätigte die Wirkung: „Wie ein beginnender Salviatrip, sehr mild aber auf jeden Fall spürbar.“ Auch sie hatte kurzzeitig einige Schwierigkeiten ihre Worte zu ordnen, typisch für Salvinorin, wie wir meinen. Die Wirkung hielt nur für ein paar Minuten (etwa drei bis vier) an und klang dann fast unmerklich wieder ab. Da für diesen Versuch die Blätter beider Kultivare gemischt wurden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht, ob beide Hybriden für die Effekte verantwortlich gemacht werden konnten oder nur eine. Deshalb waren nun gesonderte Tests mit jeweils nur einer Kultivare notwendig.

7. 3 Versuch III: Rauchen getrockneter Blätter der Coleus blumei cv. Pineapple Queen

7. 3. 1 Vorbereitungen

3/4 Gramm getrockneter, zerbröselter Blätter wurden ohne Additive in die Waserpfeife gegeben.

7. 3. 2 Durchführung

Siehe Versuch II.

7. 3. 3 Ergebnisse

Der Rauch kratzte ein wenig, die Effekte ähnelten denen des zweiten Versuchs, waren im Ganzen nur etwas milder und kürzer spürbar. Auf jeden Fall ganz klar psychoaktiv.

7. 4 Versuch IV: Rauchen getrockneter Blätter der Coleus blumei cv. Glennis

7. 4. 1 Vorbereitungen

3/4 Gramm getrockneter, zerbröelter Blätter wurden ohne Additive in die Waserpfeife gegeben.

7. 4. 2 Durchführung

Siehe Versuch II.

7. 4. 3 Ergebnisse

Der Rauch kratzte überhaupt nicht, die Effekte waren denen der Salvia am naÅNchsten. Diese Hybride ist im meinen Augen ganz klar der aktivste Vertreter aller bisher getesteten Coleus-Sorten.

Nach diesen erfolgreichen Tests mit zwei blumei– Hybriden, die mich eigentlich voll und ganz für dieses mal befriedigt hätten, erhielten wir von einer Bekannten Blätter einer weiteren Coleus blumei– Hybride, nämlich der cv. Pistachio Nightmare, einer Züchtung, die bei uns recht häufig anzutreffen ist und besonders in kleineren Blumengeschäften oft verkauft wird. Mit dieser dreifarbigen Buntnessel erlebten wir dann auch unser blaues Wunder.

7. 5 Versuch V: Rauchen getrockneter Blätter der Coleus blumei cv. Pistachio Nightmare

7. 5. 1 Vorbereitungen

Testmaterial waren 3/4 Gramm getrockneter Blätter pro Person. Alles weitere wie oben.

7. 5. 2 Durchführung

Siehe oben, Inhalationszeit: mindestens 10 Sekunden.

7. 5. 3 Ergebnisse

Die psychoaktiven Effekte waren per se die gleichen, wie schon bei cv. Pineapple Queen und cv. Glennis, allerdings um einiges stärker bzw. deutlicher. Die Einfahrt der Ditepene (?) glich einem stetig zunehmenden frischen Frühlingswind, so, wie man ihn am besten in den Bergen wahrnehmen kann, der die schwarzen Gedanken fortweht und Platz macht, für positive Energien. Mir war, als wehten meine Haare ein wenig. „Eindeutig Salvia“, dachte ich mehrfach, und ehe ich mich versah, war die Wirkung auch schon wieder verschwunden. Das ganze mag vielleicht vier Minuten gedauert haben, länger keinesfalls.

Coleus blumei cv. Pistachio Nightmare

7. 6. Versuch VI:  Orale Aufnahme frischer Blätter der Coleus blumei cv. Pistachio Nightmare

7. 6. 1. Vorbereitungen

Für den zweiten Versuch habe ich zwölf frische Blattpaare, bestehend aus etwa 10 Zentimeter grossen Blättern der Coleus blumei-Hybride Pistachio Nightmare, zu Zigarren-ähnlichen Priemen gerollt.

7. 6. 2. Durchführung

Ich kaute die 24 Blätter gründlichst durch, speichelte sie ein und saugte sie aus, solang, bis sie sich im Mund anfingen aufzulösen.

7. 6. 3. Ergebnisse

Nach etwa 35 Minuten begann sich auf meinen Augen ein Film zu bilden. Die Farbsicht wurde nicht direkt intensiviert, eher sensibler, d.h. geschaute Gegenstände erschienen echter als sonst, nicht nur subtil und kaum merklich, sondern gänzlich (be-)greifbar. Ein derartiger psychoptischer Zustand wurde bislang bei mir durch noch keine weitere Pflanze induziert. Der Zustand hielt etwa für eine Stunde an, den Abstieg bekam ich gar nicht mit. Ansonsten lässt Coleus den Konsumenten hinabgeliten, in die Welt der schönen Vorstellungen und Wunschphantasien. Am ehesten kann ich die träumerische oder verträumte Wirkung der oral applizierten Coleus– Blätter mit einem schon mehrfach angewendeten Salvia divinorum-Extrakt18 vergleichen, der ähnliche Effekte bewirkt.

8. Ausblicke

Für mich ist absolut unverständlich, warum das Blattmaterial der originalen Coleus blumei 1994 keine Wirkung zeigte, obgleich die Hybridformen eindeutig pychoaktiv waren. Mir ist nach dieser Testreihe ebenso unergründlich, warum so viele Experimentatoren behaupten, Coleus sei inaktiv – haben meine Frau und ich doch mit drei Gartenmarkt-typischen Zuchtexemplaren definitiv geistbewegende Effekte verspürt, die denen der Salvia-Arten (divinorum, splendens) deutlich ähnelten. Coleus ist in jedem Fall eine psychoaktive Gattung, deren weitere Erforschung dringend notwendig ist und künftig sicher noch mehr als spannend sein wird.

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