Ein berauschendes Erlebnis mit dem Waldmeister

von Jörg Happe, mit freundlicher Genehmigung von Bert Marco Schuldes und Werner Pieper aus „Psychoaktive Pflanzen“

Freundlicherweise erhielt ich von den Beteiligten an dem Buch „Psychoaktive Pflanzen“ die Genehmigung, in loser Folge die neuen Artikel der neuen Auflage abzudrucken. Das Originalbuch ist z.B. bei Werner Pieper  zu beziehen. In diesem Zusammenhang ist der folgende Artikel als Nachtrag auf das Titelthema der letzten Ausgabe zu vestehen.


Erst durch das in vieler Hinsicht erleuchtende Buch „Pflanzendevas – Die Göttin und ihre Pflanzenengel“ von W. D. Storl erfuhr ich, dass der Waldmeister nicht nur als Aroma für Brause oder Eis dient, sondern schon seit heidnischer Zeit zu berauschenden Zwecken eingenommen wird. Das Kraut wurde vor allem zum Maienfest – wenn die Vermählung der Großen Göttin mit dem Sonnengott gefeiert wurde – den Getränken zugegeben, was die Feiernden in engen Kontakt mit den Waldgeistern, Elfen und Elementargeistern bringen sollte. Der Geist des Waldmeisters sollte also nach Storl als Meister der Naturgeister diesen Wesen Zugang zur menschlichen Seele gewähren.

Diese vielversprechenden Aussichten bewogen uns dazu, im Frühsommer 1999 ausführliche Experimente mit diesem in der heutigen Zeit wenig beachteten Kraut durchzuführen. Wir benutzten meist mit 40%- igem Alkohol gewonnene Extrakte, die entweder pur oder verdünnt genossen wurden. Bei dieser Extraktionsmethode haben wir die von der Wirkung her stärksten Ergebnisse erzielt: Etwa 50g trockenes Waldmeisterkraut wurden mit 0,7 Litern Alkohol, 40% vol. übergossen, etwa 6 Stunden stehen gelassen, dann durch ein Tuch abgeseiht. Als Anfangsdosis nahmen wir 20 ml des gewonnenen Extrakts. Wir steigerten die Dosierungen dann vorsichtig auf bis zu 150 ml. (Eine so hohe Dosierung ist allerdings nur erfahrenen Kräuterkundigen anzuraten. Auch die eingenommenen Alkoholmenge hat dann schon deutlichen Einfluss auf die Erfahrung. Wobei anzumerken ist, dass mit Pflanzeninformationen optimal aufgeladener Alkohol sich von der Wirkung her deutlich unterscheidet von profanem „Schnaps“. Zur Extraktion von Pflanzen sollten immer möglichst hochwertige Alkohole verwendet werden. In der Regel werden auch mit 20 bis 40 ml des Extraktes schon deutlich spürbare Effekte erzielt.)

Bei meiner ersten intensiven Begegnung mit dem Waldmeister nahm ich eben diese hohe Dosierung ein und war verblüfft und begeistert von der unerwartet starken Wirkung. Wir saßen in fröhlicher Runde an einem freundlichen Maientag im Park unter jungen Birken. Mit steigender Dosierung machte sich unter allen Beteiligten eine immer ausgelassenere Heiterkeit breit, es wurde laut gescherzt und gelacht. Selbst in diesem von der Vegetation her recht kargen Stadtpark fühlten wir uns in zunehmendem Maße eins mit der uns umgebenden Natur. Der prachtvolle blaue Himmel verkörperte die endlose Weite des Alls, der sich die Pflanzen entgegenreckten. Welch ein Genuss, das grüne, lebendige, wachsende junge Gras zu spüren! Überwältigt von dieser Schönheit ließ ich mich auf den Rücken fallen und betrachtete die sonnendurchfluteten jungen Triebe der Birke. Indem ich die junge Birke beim Lichttrinken beobachtete, begriff ich plötzlich wie durch Zauberei das ganze Wesen und Sein dieses Baumes. Selten zuvor hatte ich ein so starkes Einheitsgefühl mit Pflanzen erlebt – die Birkendeva hatte Kontakt aufgenommen! Ich wurde von einer derartigen Zuneigung überwältigt, dass ich mich mit dem ganzen Körper um den Stamm des Baumes wand und ihn zärtlich streichelte und liebkoste. Einen endlosen Augenblick lagen wir so eng umschlungen da. Ich fühlte mich wie ein frisch Verliebter, der sich geborgen im Schoß der Erde mit der Pflanzenmutter vereinigt. Die scherzhafte Stimmung in der Runde war einer tiefen Ergriffenheit gewichen. Indem sie mich in meiner um den Baum gewickelten Position betrachteten, begriffen alle Anwesenden vollkommen, dass hier gerade etwas Wunderbares passierte und waren alle ein Teil dieser Verbindung mit dem Pflanzenreich.

Nachdem ich mich vom Stamm gelöst und wieder in die Runde zurückbegeben hatte, schienen sich die Anwesenden in kleine Elfen, Trolle und Zwerge verwandelt zu haben, mit spitzen Ohren und vermoosten Haaren. Aus jedem Einzelnen von uns blitzte sein ganz persönliches, archaisches Pflanzenwesen hervor. Für eine Weile waren wir ganz still – die Kommunikation lief auf nonverbaler Ebene ab, indem wir uns tief in die Augen blickten. Ich hatte einen herrlich sinnlichen Austausch mit einer bezaubernden Elfe, die im „normalen“ Leben meine Freundin K. war. Ohne Worte zu verlieren, waren wir uns in diesem Moment einig, dass wir genau das gleiche erlebten und fühlten.

Langsam tauchten wir dann aus der Zauberwelt auf und begannen, uns vergnügt und angeregt über das gerade Erlebte auszutauschen. Der „Peak“ der Erfahrung hatte in Realzeit etwa eine Stunde gedauert. Im folgenden Gespräch wurde klar, dass wir tatsächlich ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Die Pflanzengeister hatten sich für jeden aus der Runde in der ihm verständlichen Art offenbart.

Die Runde löste sich dann langsam auf – außer B., K. und mir, die sich nicht trennen wollten und noch die halbe Nacht wie verschmitzte Gnome um die Häuser zogen.

Wir schenkten den Waldmeistertrunk im Laufe des Frühlings dann noch zu verschiedenen Anlässen aus und bekamen in der Regel ein begeistertes Feedback – die Berauschten berichteten von beeindruckenden Wahrnehmungsveränderungen, intensiven aphrodisischen Erlebnissen und einer intensiven Vereinigung mit den Naturgeistern. Es bietet sich auch an, den Waldmeister zu seiner Blütezeit im Wald zu besuchen, ihn zu pflücken, anwelken zu lassen ( das frische Kraut enthält wenig von den gewünschten Inhaltsstoffen ) und mit weißem Wein oder trockenem Sekt zu übergiessen. Die Bowle wird dann 3- 4 Stunden stehen gelassen und am besten vor Ort getrunken. Derart gestärkt wird man erstaunliche Zusammentreffen mit den Waldgeistern erleben können!

Wenn der Waldmeister in moderaten Dosierungen genossen wird, sind die Neben- und Nachwirkungen vernachlässigbar gering. Werden aber größere Mengen, vor allem des Alkoholextraktes, getrunken, muss man mit stärkeren Nachwirkungen wie Kopfschmerzen, Taubheit der Glieder und einem generell leicht „bedröhntem“ Zustand während der nächsten 1- 3 Tage rechnen.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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