Drogen – nur illegal ein gutes Geschäft?

am Jun19

http://www.tagesschau.de/ausland/g20-drogenkrieg100.html

Mexikos Kampf gegen den internationalen Handel

Beim G20-Gipfel wird er kein Thema sein, obwohl er sich direkt vor der
Tür abspielt: Der in Mexiko tobende Drogenkrieg. Sogar der Einsatz der
Armee konnte die Geschäfte der Kartelle nicht stoppen. Einige Politiker
fordern deshalb ein Umdenken – eine begrenzte Legalisierung von Drogen.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Wenn es um die Sicherheit geht, ist Los Cabos wohl eine gute Wahl. An
der Südspitze der Halbinsel Baja California gelegen, lässt sich die
Gegend rund um den Badeort komplett abriegeln. An Land sollen Tausende
Polizisten und Soldaten dafür sorgen, dass vom Norden her alles dicht
ist. Vor der Südküste patrouilliert die mexikanische Marine. Alles
bestens also.

Dabei würde es sich lohnen, auch beim G20-Gipfel genauer auf das Thema
Sicherheit zu schauen. Denn Mexiko und die Region befinden sich in einer
Art Krieg – dem Krieg gegen den internationalen Drogenhandel.

*Ein lukratives und blutiges Geschäft*

Nicht nur Otto Perez, der Präsident Guatemalas, hat davon langsam genug:
“Natürlich müssen wir weiter gegen Drogenverbrechen kämpfen. Aber
gleichzeitig müssen wir eine ernsthafte Debatte beginnen. Was haben wir
bereits für diese Strategie ausgegeben? Wie viele Menschenleben hat sie
gekostet und was hat sie tatsächlich gebracht, um den Drogenkonsum zu
verringern?”

320 Milliarden US-Dollar werden nach UN-Schätzungen jedes Jahr mit
Drogen umgesetzt. Das ist mehr als doppelt so viel Geld, wie das
Euro-Rettungspaket für Spaniens Banken vorsieht. Der Drogenhandel ist
somit ein besonders lukrativer Teil der globalisierten Wirtschaft – wenn
auch ein illegaler und blutiger. 50.000 Menschen wurden alleine in
Mexiko in den vergangenen fünf Jahren im Drogenkrieg getötet.

*Unbehelligte Konsumenten, bekämpfte Produzenten
*
Es ist ein merkwürdiger Krieg: Während die Konsumenten der begehrten
Waren wie Kokain, Marihuana und Partypillen vor allem in den USA und
Europa sitzen und meist unbehelligt bleiben, soll in den Produktions-
und Transitländern des Südens der Drogenhandel mit fast allen Mitteln
unterbunden werden. Vor allem die USA stellen dafür viel Geld und
militärische Ausrüstung bereit. Im Norden wird gekokst und gekifft, im
Süden wird geschossen.

*Sollten Drogen entkriminalisiert werden?
*
Darum fordern immer mehr in Lateinamerika, dass die bisherige Strategie
überdacht und Drogen entkriminalisiert werden müssen. Der mexikanische
Ex-Präsident Ernesto Zedillo und Kolumbiens früherer Staatschef Carlos
Gaviria befürworten dies.

Und auch der mexikanische Politologe Jose Antonio Crespo findet, dass
die Staaten des Nordens sich selber um ihr Drogenproblem kümmern sollen:
“Wir zahlen hier den Preis der Gewalt und der Unsicherheit, für eine
Strategie aus Washington, nicht für unsere eigene. Deshalb sollten sich
unsere Länder zusammentun und erst einmal Marihuana legalisieren, um
auch den Druck auf die USA zu erhöhen. Als Signal an Washington, dass
die jetzige Strategie nicht funktioniert.”
*
“Die Prohibition ist das eigentliche Geschäft”*

Die Befürworter einer begrenzten Drogenfreigabe verweisen immer wieder
auf die Prohibition in den USA, das totale Alkoholverbot der
1920er-Jahre. Die brutalen Kämpfe um den Gin- und Whisky-Nachschub
stoppten erst, als Alkohol wieder freigegeben wurde. Der kolumbianische
Drogenexperte Camilo Gonzales meint: “Das ist kein Krieg, das ist ein
Geschäft. Und so muss man es sehen. Die Gewinnspannen von Drogen sind
deshalb so enorm, weil das Geschäft illegal ist. Die Prohibition ist das
eigentliche Geschäft.”

Der internationale Drogenhandel ist ein wahrhaft globales Problem, das
neue globale Antworten braucht, finden zumindest viele Experten und
Politiker in Lateinamerika. Die Gipfel-Teilnehmer in Los Cabos werden
sich derweil anderen drängenden Themen der Weltwirtschaft zuwenden – vor
allem der Euro-Krise. Gut abschirmt – und wohl unbehelligt vom
Drogenkrieg in Mexiko.


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Ethnobotanicals:
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Azarius


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