Die synthetischen LSD-Analoge und andere Mutterkornalkaloide

Markus Berger

Neben dem bekannten, ja berühmten Lysergsäurediäthylamid existieren noch eine Vielzahl anderer entheogener Ergotalkaloide und LSD-Analoge, aber auch inaktiver Abkömmlinge. Einige entstehen im Labor, andere finden sich in der Natur, z.B. in Arten verschiedener Schlauchpilze und Windengewächse (siehe hierzu meinen Artikel Mutterkornalkaloid haltige Windengewächse ). Neben einer einführenden Übersicht über die natürlichen Ergoline (Mutterkornalkaloide), konzentriere mich in diesem kurzen Abriss auf eine Auswahl voll- und halbsynthetischer LSD-Analoge

Natürliche Mutterkornalkaloide

Mutterkornalkaloide finden sich in der Natur sowohl in Arten verschiedener Gattungen der Convolvulaceae (Windengewächse), als auch in Arten verschiedener Gattungen der Clavicipitaceae (Schlauchpilze). Bezogen auf die pharmakologische Wirksamkeit unterteilt man diese Ergoline in zwei Gruppen: in stark toxisch wirkende (Ergotismus erzeugende) und psychoaktive, entheogene Mutterkornalkaloide. Diese sind z.B.:

Agroclavin, Chanoclavin-I und -II (u.a. in Ipomoea violacea und Turbina corymbosa), Cycloclavin, Ergin (LA-111, LSA, Lysergamid, d-Lysergamid; Hauptalkaloid der aktiven Covolvulaceen (Winden) und vieler Clavicipitaceae-Pilze; Ergin ist eine Vorstufe des LSD), d-Isolysergsäureamid (Erginin, Isoergin; u.a. in Ipomoea violacea, Turbina corymbosa und in einigen Clavicipitaceae), Elymoclavin (u.a. in Argyreia nervosa, Ipomoea violacea und Turbina corymbosa sowie in verschiedenen Claviceps-Arten und anderen Pilzen der Familien Clavicipitaceae, Hypocreaceae und Trichocomaceae), Ergometrinin, Ergonovin (Ergometrin, Ergobasin; D-LysergsäureL-2-propanolamid; 9,10-Didehydro-N-(2-hydroxy-1-methylethyl)-6-methylergoline-8-Carboxamid; u.a. in Argyreia nervosa und Ipomoea violacea), Ergosin, Ergosinin, Festuclavin (in einigen Winden-arten), Lysergen, Lysergol (9,10-Didehydro-8-hydroxymethyl-6-methyl-Ergolin; u.a. in Argyreia nervosa, Turbina corymbosa und Stictocardia tiliifolia sowie in verschiedenen Claviceps-Arten), Isolysergol, Isolysergsäure-alpha-hydroxyethylamid, Isosetoclavin, Lysergsäure-alpha-hydroxyethylamid (u.a. in Ipomoea violacea und Argyreia nervosa, auch in Claviceps paspali), Penniclavin (in einigen Winden- und Schlauchpilzarten) und Stetoclavin.

Die synthetischen LSD-Analoge

Die synthetischen Ergoline finden sich in dieser Form nicht in der Natur wieder. Ihre Existenz resultiert ausschließlich aus der Laborforschung. Nach Albert Hofmann hat der US-amerikanische Chemiker – der akademische Psychedeliker Alexander Shulgin das Gebiet der Mutterkornalkaloidsynthese gründlich erforscht und erprobt und so manche neue Substanz in diesem Kontext kreiert. In diesem Teil liste ich eine repräsentative Reihe synthetischer LSD-Analoge übersichtlich auf, beschreibe die Substanzen kurz und führe die orale Dosis an. Mit Hilfe der Bibliographie kann damit bei Interesse weitergeforscht werden. •

ALD-52

1-Acetyl-N,N-diethyllysergamid Psychoaktives LSD-Analogon. Wurde in den späten Sechzigern als „Orange Sunshine“ verkauft. ALD-52 reagiert in Kombination mit Wasser zu LSD. Dosis. 50 bis 170 Mikrogramm.

AL-LAD

(N-Allyl-nor-LSD) 6-Norlysergsäure,6-Allyl-N,N-diethylamid Von Alexander Shulgin synthetisiertes LSD-Analogon. Dosis: 80 bis 160 Mikrogramm.

DAL

N,N-Diallyllysergamid Leicht psychoaktives Lysergsäurederivat. Wirkt ausserdem leicht sedativ. Dosis: 600 Mikrogramm.

DAM-57

N,N-Dimethyllysergamid Leicht psychoaktives Lysergsäurederivat. Dosis: Bisher nicht getestet. Vermutlich sind mehrere hundert Mikrogramm nötig, um eine Wirkung zu provozieren.

ETH-LAD

(6-Norlysergsäure) 6-N,N-Triethylamid; 6,N,N-Triethylnorlysergamid Von Alexander Shulgin synthetisiertes LSD-Analogon. Dosis: 40 bis 150 Mikrogramm.

LAE-32

N-Ethyllysergamid Leicht psychoaktives Lysergsäurederivat. Dosis: 1 bis 1,8 Milligramm.

LPD-824

N-Pyrrolidyllysergamid Leicht psychoaktives Lysergsäurederivat. Dosis: 800 Mikrogramm und mehr.

LSM-775

N-Morpholinyllysergamid Psychoaktives Lysergsäurederivat. Dosis: Verschiedene Versuche hatten verschiedene Urteile zum Ergebnis. Eine Testperson berichtete von einer guten psychoaktiven Wirkung bei 75 Mikrogramm, andere benötigen 350 bis 700 Mikrogramm, um ausreichende Effekte zu provozieren

Methylergonovin

(Methylergometrin) D-Lysergsäure(+)-2-butanolamid; N-(1-Hydroxymethyl-propyl)-Lysergamid Halbsynthetischer Lysergsäureabkömmling. Dosis: 200 Mikrogramm

MLD-41

1-Methyl-N,N-diethyllysergamid Psychoaktives LSD-Analogon. Dosis: 100 – 300 Mikrogramm

PRO-LAD

(6-Norlysergamid) 6-Propylnorlysergamid,N,N-diethyl Von Alexander Shulgin synthetisiertes LSD-Analogon. Dosis: 100 bis 200 Mikrogramm. UML-491 (Methysergid) 1-Methyl-D-Lysergsäure-butanolamid Leicht psychoaktives Lysergsäurederivat, das klinisch gegen Migräne eingesetzt wird. Für eine entheogene Erfahrung wären mehrere Milligramm der Substanz erforderlich.

Inaktive Lysergsäure-Abkömmlinge

Abschließend sehen wir noch zwei Lysergsäureabkömmlinge, welche keine psychoaktive Wirkung beim Menschen induzieren.

BOL-148

(Brom-LSD) 2-Bromo-N,N-diethyllysergamid Dieser Lysergsäure-Abkömmling ist für den Menschen inaktiv.

MBL-61

2-Bromo-N,N-diethyl-1-Methyllysergamid Ebenfalls nicht psychoaktiver Lysergsäureabkömmling.

Quellen und Bibliografie

Gartz, Jochen (Hrsg.), Halluzinogene im ‚Sozialismus‘, Solothurn 1998

Hofmann, Albert, Die Mutterkornalkaloide, Solothurn 2001

Ott, Jonathan, Pharmacotheon, Natural Products Co. 1996

Rätsch, Christian, Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau 1998

Shulgin, Alexander und Ann, Tihkal –The Continuation, Transform Press 1997

Schultes, R.E. / Hofmann, A., Pflanzen der Götter, Aarau 1998 Trachsel, Daniel / Richard, Nicolas, Psychedelische Chemie, Solothurn 2000

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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