Die legendäre Sandoz-Kollektion

Markus Berger

Nachdem Albert Hofmann vor sechzig (eigentlich fünfundsechzig1) Jahren das LSD 25 entdeckte, ließ sein damaliger Arbeitgeber Sandoz etwa fünfunddreißig Jahre lang alle weltweit verfügbaren Schriftstücke zum Lysergsäure-diäthylamid in der Sandoz-Kollektion sammeln und archivieren.

Der Pharmakonzern fusionierte 1996 mit dem ebenfalls in Basel ansässigen Unternehmen Ciba-Geigy zur Firma Novartis und da das Wissen um das LSD, begründet durch die mittlerweile fast global herrschende Pharmakratie, nun nicht mehr relevant erschien, stand das überaus wertvolle und wichtige LSD-Archiv kurz davor, eingestampft und vernichtet zu werden.

Ehe es zu spät war, initiierte Hofmann die Übergabe der Kollektion an die Albert Hofmann Foundation in Los Angeles, welche die Dokumente für acht Monate im Museum für Psychedelische Geschichte ausstellte. Leider musste das Museum aus finanzieller Not schließen, das Archiv wanderte ein Stockwerk tiefer in den feuchten Keller.

Glücklicherweise wurde die Sandoz’sche LSD-Kollektion aber wiederentdeckt, obwohl sie fast als verschollen galt. Nun galt es aufzupassen, die Sammlung nicht zu beschädigen und nicht wieder zu verlieren. Noch in den USA wurde von Earth und Fire Erowid innerhalb von 18 Monaten und mit über 1000 Arbeitsstunden, die komplette Kollektion digitalisiert, sprich gescannt oder reproduziert und im Internet auf den Webseiten von Earth und Fire Erowid bereitgestellt. Fast alle Dokumente des Archivs können nun in Form eines PDF aufgerufen, gelesen und sogar abgespeichert werden. Auf diese Weise kann glücklicherweise jeder auf die wichtigen Dokumente zurückgreifen und diese für Forschungs- und Recherchezwecke benutzen (Adresse siehe unten).

Die Originaldokumente, welche zu diesem Zweck aus ihren ursprünglichen Einbänden genommen werden mussten, wurden neu und sauber in Ordnern archiviert, in Kisten verpackt und auf dem Seeweg nach Europa verfrachtet. Nun, pünktlich zum sechzigsten Geburtstag, sind die Materialien und Dokumente sozusagen daheim. Das riesige LSD-Archiv ist dort, wo es hingehört: ganz nah bei Albert Hofmann, etwa siebzig Kilometer von Basel entfernt, in Solothurn. Hier ist die Heimat des Nachtschatten Verlag. Gründer und Geschäftsführer Roger Liggenstorfer ist seit dreiundzwanzig Jahren mit Albert Hofmann eng befreundet. „Er ist für mich wie ein lieber, weiser Großvater. Er ist ein wunderbarer Mensch“.

Vor vier Jahren entstand auf persönlichen Wunsch Hofmanns der Plan, die gesammelten Materialien, 4290 Schriftstücke – Studien, Artikel aus Fachzeitschriften, Bilder und sonstige Lysergsäure-bezogene Dokumente aus aller Welt, nach Hause in die Schweiz zu holen. Liggenstorfer erfüllte Hofmann diesen Wunsch und möchte nun das Albert Hofmann-Museum in Basel aufbauen, um dort die wunderbare Sandoz-Kollektion der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Um dem Vorhaben eine Form zu verleihen, soll ein Verein zur Umsetzung der Ideen gegründet werden. Informationen hierzu gibt’s beim Nachtschatten Verlag.

Dass man in diesem Jahr den 60. Geburtstag des LSD feiert, hat rein formellen Charakter. Eigentlich wird nicht das LSD sechzig, sondern das Wissen um dessen Psychoaktivität. d-Lysergsäure-diäthylamid wurde 1938 erstmals von Dr. Albert Hofmann in den Sandoz-Laboratorien in Basel hergestellt und 1943 unter der Bezeichnung LSD-25 (Delysid®) publiziert.

Hallo, ich wollte nurmal einen kleinen Anstoß bzw. Tip zu der Eibenausgabe der „Entheogenen Blätter“ für eventuell Interessierte geben. Und zwar gibt es im Müglitztal bei Dresden die absolute Rarität eines wilden, kleinen Eibenwaldes zu genießen. Zu finden ist er am rechtsseitigen Talhang bei der Ortschaft Schlottwitz. Man muss nur den Wanderwegschildern Richtung „1000 jährige Eibe“ folgen. Die Gegend geizt nicht mit landschaftlichen Reizen und sollte den Besuch auch „entlohnen“ falls Ihr Euch nicht dazu entschließen könnt ein Schläfchen unter den Bäumen zu wagen …

Danke für den feinen Hinweis.

Wir werden bestimmt dort Rast und Fotos machen, wenn wir wieder mal in der Nähe sind. Eibenhaine gibt es doch mehr als man anzunehmen wagt. Ich halte auch selbst immer Ausschau nach wilden Eibengruppen und habe dabei schon so manchen magischen Ort entdeckt. Wenn auch andere Leser psychoaktive, zauberhafte oder einfach schöne Orte kennen, die auch wir kennen sollten, dann bitte eine E-Mail, ein Fax oder einen Brief.

—Markus Berger

http://www.erowid.org/references/hofmann_collection.php (Die Sandoz.Kollektion online) http://www.psychonautic-art.ch/ (unter anderem 60 Years of LSD, Veranstaltung in Basel) http://www.nachtschatten.ch/ (Nachtschatten Verlag)

http://www.novartis.com/ (Website der Novartis (Sandoz und Ciba-Geigy))


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