Die aktiven Salvia-Spezies

Markus Berger

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

Salvia divinorum dürfte mittlerweile fast jeder an Entheogenen interessierte kennen. Das Wissen um die überaus machtvolle Potenz des mexikanischen Wahrsagesalbei bzw. dessen hauptwirksamen Inhaltsstoffes Salvinorin A hat derartige Kreise gezogen, dass ganze Firmen sich auf den Verkauf von Salvia divinorum-Blättern, Extrakten und lebenden Pflanzen spezialisieren konnten und sogar eine eigene US-amerikanische Zeitschrift namens „Salvia divinorum Magazine“ entstehen konnte. Allerdings existieren noch andere psychotrope Salbei-Arten, auch solche, von denen man eine geistbewegende Wirkung am wenigsten erwartet hätte. Wer hätte schon gedacht, dass der gemeine Gartensalbei psychotogene Inhaltsstoffe beherbergt?

Salbei ist eine etwa 900 Arten umfassende Gattung aus der Familie der Lamiaceae (Minze-Familie). Die als psychoaktiv geltenden Salvia-Arten enthalten hauptsächlich Neo-Clerodan-Diterpene, deren bekannestes wohl das Salvinorin sein dürfte.

Das Werk „Phytochemistry of Medicinal Plants“ (Arnason et al. 1995) enthält ein Kapitel namens „Neo-Clerodane Diterpenoids from American Salvia Species“ (von Lydia RodriguezHahn, Baldomero Esquivel und Jorge Cardenas), das folgende Salvia-Spezies als Neo-ClerodanDiterpen-Quellen angibt:

  • Salvia breviflora,
  • Salvia cardiophylla,
  • Salvia coccinea,
  • Salvia farinacea,
  • Salvia fulgens,
  • Salvia gesneraeflora,
  • Salvia greggii,
  • Salvia keerlii,
  • Salvia lanquidula,
  • Salvia lasiantha,
  • Salvia lavenduloides,
  • Salvia lineata,
  • Salvia madrensis,
  • Salvia melissodora,
  • Salvia microphylla,
  • Salvia plebia,
  • Salvia puberula,
  • Salvia purpurea,
  • Salvia rhyacophyla,
  • Salvia reptans,
  • Salvia rubescens,
  • Salvia semiatrata,
  • Salvia splendens,
  • Salvia thymoides,
  • Salvia tilleafolia,
  • Salvia urolepsis (Arnason et al. 1995).

Natürlich gehört Salvia divinorum auch auf diese Liste. Nun sind allerdings bislang nicht all diese Arten auf ihre Psychoaktivität getestet worden. Ich fand glücklicherweise einige wenige Quellen mit Erfahrungsberichten zu diversen Salbeiarten, die ich hier dokumentiere.


Wirkungen der Salvia splendes (Blattmaterial sublingual)

„Salvia splendens ist vermutlich eine neue psychotrope Salbei-Art, so wie Salvia divinorum. Hier die Wirkungen, welche ich nach der Einnahme von einem zermahlenen Blatt verspürte (ich hielt das Blatt für zwanzig Minuten unter der Zunge):

Zunächst bekam ich schwere Augen und eine offenbare Verlangsamung der Gedankengänge, ähnlich wie auf Serotonin-Wiederaufnahmehemmenden Antidrepressiva. Im Anschluss verspürt man ein angenehmes Gefühl von Beruhigung und einen gewissen Antrieb, etwa so, wie er von MDMA induziert wird. Diese angenehme Antriebssteigerung hielt für einige Stunden an. (⋯)“ (Claude Rifat (2))

„Als ich das erste mal Salvia splendens rauchte, verspürte ich keine Effekte. Nachdem ich aber von Freunden erfuhr, dass diese eine psychoaktiveWirkung verspürt hätten, versuchte ich es erneut. Nach vier kräftigen Zügen fühlte ich mich entspannt, wohlig, sanft. Es war ein wenig wie Diazepam mit einer Spur von GHB und Opium. Die Effekte hielten für einige Stunden an. Es war gar nicht, wie Salvia divinorum, aber die Wirkung war sehr schön. (⋯) Der nächste Schritt ist nun, das Splendidin zu isolieren und es ohne Verbrennungsprozess, [sprich: ungeraucht] einzunehmen.“ (Daniel Siebert (1

Wirkungen der Salvia coccinea

„Nachdem ich von Diterpenvorkommen in (⋯) Salvia coccinea gelesen hatte (Savona et al 1982), bereitete ich mir ein halbes Gramm Blattmaterial der Salvia coccinea für ein Rauchexperiment vor. Die Effekte sind vergleichbar mit denen der Salvia splendens. Zuerst war ich nicht in der Stimmung meinen Stuhl zu verlassen. Farben und Umrisse wurden deutlicher, kombiniert mit einer geistigen Klarheit. Musik wurde tiefer und voller – ich nahm Nuancen wahr, die ich vorher nie kannte. Der Denkprozess kam mir vor, als hätte man ihm Flügel verliehen. Die körperlichen Effekte beschränkten sich auf ein Schweregefühl, das mir verbot, mich aus meinem Stuhl zu erheben. Ich fühlte mich ein wenig wie versteinert. (…)“ (Lycaeum Trip Reports Forum, February 22, 1998 (3))

Wirkungen anderer Salvia-Spezies

Der Salvia divinorum-Experte Daniel Siebert, hat nach seinen Angaben Salvia argentea Linné, Salvia plebia und Salvia superba geraucht und ähnliche Effekte wie bei Salvia splendens festgestellt:

„Nach dem Erfolg mit Salvia coccinea, testete ich (⋯) auch andere Spezies, und zwar Salvia argentea, Salvia plebia und Salvia superba, alle geraucht. Alle Salvia-Arten zeigten die gleichen Effekte.“ (3) D Der Salvia divinorum-Experte Daniel Siebert, hat nach seinen Angaben Salvia argentea Linné, Salvia plebia und Salvia superba geraucht und ähnliche Effekte wie bei Salvia splendens festgestellt: „Nach dem Erfolg mit Salvia coccinea, testete ich (⋯) auch andere Spezies, und zwar Salvia argentea, Salvia plebia und Salvia superba, alle geraucht. Alle Salvia-Arten zeigten die gleichen Effekte.“ (3) D

Tabelle 1. Die psychotropen Salvia-Spezies:

Aktivität Spezies

Inhaltsstoffe

Salvia coccinea Buchoz ex Etl. Scharlachsalbei

Salviacoccin

Salvia divinorum Epling et Jativa-M. Wahrsagesalbei

Salvinorin A, Salvinorin B

Salvia farinacea Bentham

? (3)

Salvia greggii Grey

? (3)

Salvia guaranitica Saint-Hilaire (Benth.)

? (3)

Salvia lyrata Linné

? (3)

Salvia sclarea Linné Muskatellersalbei

(-)-Sclareol (Labdan-Diterpen),



Bibliografie

Arnason, John T.; Mata, Rachel; Romeo, John T. (1995), Phytochemistry of Medicinal Plants, Kluwer Academic/Plenum Publishers

Chen, G.; Liu, R.-X.; Zhang, W.-G.; Wang, B.; Fu, J.; Feng, Y.-G.; Zhang, X.-B.; Wu, F.; Ma, X. (2001), Effect of Salvia miltiorrhiza Bunge injection on anticardiolipin antibody production induced by 2 glycoprotein, 22(12): 1125-1129

Gartz, Jochen (2001), Salvia divinorum – Die Wahrsagesalbei, Solothurn: Nachtschatten Verlag Ikeshiro, Y.; Mase, I.; Tomita, Y. (1989), Abietane type diterpenoids from Salvia miltiorrhiza, Phytochemistry 28(11): 3139-3141

Luo, H.W.; Chen, S.; Lee, J.; Snyder, J.K. (1988), Epi -Danshenspiroketallactone from Salvia miltiorrhiza, Phytochemistry 27: 290

Ott, Jonathan (1996), Salvia divinorum Epling et Játiva (Leaves of the Shepherdess), Eleusis 4: 31-39

Savona, G. et al. (1979), Salviarin, a new diterpenoid from Salvia splendens, Journal of the Chemical Society, Perkins Transactions I: 643-646

Society, Perkins Transactions I: 533-534

Vostrowsky, O.; Hirsch, A. (2002), Chemie der Naturstoffe. Ein Seminar für Chemiker und Biologen, Vorlesung an der Universität Erlangen, Institut für Organische Chemie, http://www.organik.unierlangen. de/vostrowsky/natstoff/naturstoffe.html

(1) http://www.salviasupply.com/salvia-splendens/salvia-splendens.html

(2) http://www.shaman-australis.com/~claude/salvia3.html

(3) http://www.spiritplants.com/articles/othersalvia.html

Savona, G. et al. (1979), Splendidin, a new Trans-Clerodane from Salvia splendens, Journal of the Chemical

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