Deutschland importiert vier Sorten medizinisches Cannabis aus Kanada

Deutschland importiert vier Sorten medizinisches Cannabis aus Kanada

Seit ein paar Jahren dürfen Deutsche Cannabis-Patienten mit Ausnahmegenehmigung Hanfblüten aus den Niederlanden über deutsche Apotheken beziehen. Die importierte Medizin ist ziemlich teuer und weil es die Krankenkasse es nicht übernimmt, kosten die offiziellen “Medizinal-Hanfblüten“ mit 15 Euro + x/Gramm eine Stange Geld. Deshalb sind viele der knapp 800 anderen Cannabis-Patienten in Deutschland trotz ihrer Genehmigung auf den billigeren Schwarzmarkt oder ihre Growbox angewiesen. Egal, ob „nur“ ein schmerzhaftes, chronisches Leiden vorliegt oder ob die Krankheit ohne Cannabis weiter fortschreitet oder gar tödlich ist, von einer funktionierenden Regelversorgung ist man in Deutschland noch weit entfernt.

Die Bundesregierung hat es jahrelang versäumt, eine zeitgemäße Regelwerk für medizinisches Cannabis einzuführen, der derzeitige Import aus den Niederlanden wurde nur auf juristischen Druck seitens zahlreicher Patienten genehmigt und war von Anfang an lückenhaft und viel zu teuer. Was in Holland sieben Euro kostet, gibt es hier ab 15 Euro aufwärts. Viele der 800 Patienten sind im SCM (Selbsthilfenetzwerk-Cannabis-Medizin) engagiert und haben schon seit Jahren viel bessere Vorschläge zur Regelversorgung von Cannabis-Patienten. Da wäre zum Einen der Eigenanbau. Im April 2016 wurde dem MS-kranke Michael F. Nach 17 Jahren und vielen Prozessen zugestanden, ausnahmsweise Gras@home anzubauen. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Einzelfallentscheidung, die nicht für andere gilt. Außerdem hat F. Zwar das rechtsgültige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in der Hand, das entsprechende Dokument vom Staat, in diesem Falle vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukt (BfArM), fehlt allerdings bis heute. Deshalb darf der MS-Kranke F. auch vier Monate nach dem höchstrichterlichen Urteil seine Medizin immer noch nicht anbauen.

Auch ein der staatlich kontrollierte Anbau in Deutschland, wie ihn das Bundesgesundheitsministerium seit kurzem plant, steht schon seit vielen Jahren auf der Liste der Patientenwünsche, wurde aber erst in die Wege geleitet, nachdem das Ministerium zahlreiche Prozesse verloren hatte und deshalb keine andere Alternative mehr sah.

Aber immerhin wurde mit dem Import kanadischer Cannabisblüten ein schon langer im Raum stehender Vorschlag erfüllt. Ab Ende August gibt es mir „Argyle“ und „Princeton“ zwei Sorten aus dem staatlichen Cannabisprogramm Kanadas. Später sollen mit „Penople“ und „Houndstooth“ zwei weitere Sorten folgen. In legalen US-Shops und auf dem kanadischen Schwarzmarkt, der bald keiner mehr ist, kennt man die vier Sorten unter “Nordle“, “Ghost Train Haze“, “CBD Skunk Haze“ und “Super Lemon Haze“.

Aber bevor man die neuen Strains kaufen darf, müssen Cannabis-Patienten ihre Ausnahmegenehmigung um die vier Sorten erweitern lassen, indem mein Arzt dieses Formular ausfüllt. Sobald es voraussichtlich Ende August mit dem Bundesadler versehen ist, steht dem erstem legalen Zug „Medical“ aus Übersee nichts mehr im Wege.

Kanada bietet seinen Patienten über 200 Sorten

In Kanada können Patienten unter mehr als 200 Sorten wählen, in Deutschland sind es gerade mal sechs. Zudem hat man in Kanada eben jene Kapazitäten, die in den Niederlanden fehlen und in Deutschland erst noch aufgebaut werden müssen.

In Vancouver, Toronto oder Montreal legt man auch viel mehr auf Analyseverfahren. Dort werden nicht nur die beiden Hauptwirkstoffe, THC und CBD, gemessen. Einige Firmen erstellen freiwillig ein „Cannabinoid-Profil“ und können so andere Inhaltsstoffe wie THC-V gezielter einsetzen. Deshalb ist eine Sortenvielfalt, die verschiedenste Cannabinoid- und Terpen-Spektren abdeckt, bei medizinischem Cannabis auch immens wichtig. In Kanada ist das, anders als in den Niederlanden oder in Deutschland, bereits zur für den Anbau verantwortlichen Behörde „Health Canada“, durchgedrungen. Doch selbst wenn man bald alle der über 200 kanadischen Sorten in der Apotheke bekommt, bleibt es viel teurer als Medizinalhanf, der hier unter den gleichen Bedingungen angebaut würde.

In Kanada produzieren mittlerweile 34 Firmen Cannabis, einige davon sind börsennotiert. In Kalifornien ist „Medical“ seit Jahren Top-Crop, also das Agrarprodukt mit dem landesweit größten Umsätzen. Jetzt hat sich das Bundesgesundheitsministerium entschieden, etwas zu importieren, das mit ein wenig Flexibilität, Weitblick und ökonomischem Verständnis schon längst hier produziert werden könnte. In München gab es mit „Suedhanf“ sogar schon mal eine Firma, die medizinisches Cannabis zu Forschungszwecken angebaut hatte. Die durfte ihr Produkt aber nicht an Patienten abgeben und musste schließen, weil sie ihr Produkt nicht verkaufen konnten.

Die Patienten in Deutschland freuen sich auf die eingeflogenen Buds aus Übersee, vielleicht sind sie ja sogar ein wenig günstiger, leckerer oder noch wirksamer gegen chronischen Schmerzen, ADHS oder die zahlreichen anderen Indikationen als der Medizinalhanf aus Holland. Aber deutsche Blüten wären sicher genau so gut, viel günstiger, würden Arbeitsplätze schaffen, Steuern generieren und eine Menge CO2 sparen. Der aktuelle Bedarf der Genehmigungsinhaber beträgt jetzt schon eine halbe Tonne*- Tendenz stark steigend. Sobald ab 2017 das komplizierte Procedere der Ausnahmegenehmigung durch ein einfaches Betäubungsmittelrezept ersetzt wird, erwarten alle Experten eine noch schneller anwachsende Zahl an Patienten. In Kanada, wo es jetzt schon so ist, sind es bei 35 Millionen Einwohner derzeit 54.000 Patienten. Auf Deutschland umgerechnet wären das fast 100.000, die Regierung in Kanada geht bis 2024 gar von bis zu 400.000 kanadischen medizinischen Nutzern aus. Kanadische Produzenten wissen das. Deshalb rechnen und handeln sie gerade ein wenig schneller als Deutsche Behörden.

*Der durchschnittliche Erlaubnisinhaber hat eine Empfehlung über 1,8 Gramm Cannabis/Tag.

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