Der Wurmfarn, Dryopteris filix-mas Schott

Markus Berger

Die Familie der Farngewächse Filicatae gehört zur Abteilung der Pteridophyta (farnartige Sproß- und Gefäßpflanzen) und teilt sich in viele Gattungen und Arten auf. Neben den Gräsern und Moosen ist die Systematik der Farne eine der undurchschaubarsten. In dieser Arbeit soll allerdings nicht die Nomenklatur und Einteilung der Farngewächse Thema sein, sondern die ethnomedizinische Verwendung des Wurmfarns und anderer relevanter Farne.

Der Wurmfarn, Dryopteris filix-mas

 

Pharmakologisch wirksame Farne

Die Ethno- bzw. Pharmakobotanik der Farne ist nicht besonders gut erforscht. Wir kennen zwei Spezies aus der Familie der Polypodiaceae (Tüpfelfarn- oder Baumfarngewächse), deren Inhaltsstoffe und Gebrauch wenigstens zum Teil bekannt sind. Da gibt es zum Beispiel den Gemeinen Tüpfelfarn oder Engelsüß Polypodium vulgare L., der Tannin, Bitterstoffe, Saponine und ätherisches Öl enthält (Rätsch 1998: 577). Oder die ethnopharmakologisch interessante Polypodium incapcocam nom. nud., die Inca-Coca genannt wird, und deren Blätter als Tabaksubstitut in Pulverform gebraucht werden. Möglicherweise enthalten diese sogar Kokain (Rätsch 1998: 577; Rätsch 2003: 497), was eine pharmakobotanische Sensation wäre! Die nordamerikanische Art Pellaea cordata J. Sm. soll angeblich ebenfalls psychoaktiv wirken (Rätsch 1998: 578) und in Deutschland wurden Farne (unklar ist, welche Arten) vermutlich sogar dem Bier beigegeben (Rätsch 1998: 736). Wedelspitzen des Straußen- oder Trichterfarns Matteuccia struthiopteris (L.) Tod. werden in Amerika als Nahrungsmittel verwendet und führten schon diverse Male zu Intoxikationssymptomen wie Diarrhoe, Magenkrämpfen und Erbrechen (Frohne et Pfänder 2004: 222f.). In toxikologischer Hinsicht existieren weitere aktive Farne, wie zum Beispiel der Adlerfarn Pteridium aquilinum (L.) Kuhn, oder Arten der Gattungen Cheilanthes spp., Dennstaedtia spp., Histiopteris spp., Hypolepis spp. und Pteris spp., welche allesamt den karzinogenen Inhaltsstoff Ptaquilosid enthalten. Eine ähnliche Gefahr geht vom Klauenfarn Onychium contiguum Wall. ex Hope aus (Frohne et Pfänder 2004: 223).

 

Im Speziellen: der Wurmfarn

Auf medizinischer Ebene ist sicherlich der auch in Deutschland heimische Gemeine Wurmfarn Dryopteris filix-mas Schott (Synonym Aspidium filix-mas Sw.) aus der botanischen Familie der Dryopteridaceae am interessantesten. Der Wurmfarn ist schon seit Jahrhunderten ein volksmedizinisches Wurmmittel (Schimpfky 1893: 3) und war „als eines der wirksamsten Mittel gegen Bandwürmer (…) bereits den Ärzten des Altertums bekannt“ (Frohne et Pfänder 2004: 225). Die Anwendung indes war eine ganz spezielle Angelegenheit: „Wir bekämpfen den Bandwurm mit dem längeren Genuss von Zwiebeln, Meerrettich, rohem Obst, Beeren und Nüssen. Aber das hilft nicht immer. Die Zahl der Bandwurmmittel ist besonders groß. Am besten hilft der Wurmfarn (Farnwurzel) oder noch besser sein Extrakt (Farnkrautextrakt). Abends vor der Farnkrautkur ißt man einen Salat aus durchgedrehten Zwiebeln und Knoblauch, am folgenden Morgen nimmt man das Farnkrautmittel ein und trinkt zwei Stunden später noch einen Tee aus Sennesblättern und Wermut“ (Hertwig 1938: 330). Eine alte Phyto-Bademischung für Gichtkranke und Rheumatiker nennt an Ingredienzien Farnwurzeln, Wacholderkries, Forrenkries, Brennnesseln und Bergheublumen. Diese Mischung koche man vier Stunden lang und bereite sich anschließend daraus ein Bad (Hertwig 1938: 378).

Die Inhaltsstoffe des Wurmfarns und anderer Dryopteris-Spezies stellen eine Mixtur aus dimeren, trimeren und tetrameren Butanonphlorogluciden dar. Diese Wirkstoffmischung nennt man Rohfilicin. In der heutigen Zeit wurde das Phytotherapeutikum durch synthetische Varianten des Wirkstoffs substituiert. Die originären Farnextrakte führten in der Vergangenheit zu unvorhergesehenen Zwischenfällen: „(…) Es kam bei ihrer Verwendung teils durch Überdosierung, teils durch Überempfindlichkeit des Patienten zu schwersten Vergiftungen, die nicht selten tödlich verliefen (…). Lediglich im veterinärmedizinischen Bereich wird zuweilen noch über akzidentielle Intoxikationen nach Verfütterung von Dryopteris-Arten berichtet (…)“ (Frohne et Pfänder 2004: 225).

 

Literatur

Frohne, Dietrich; Pfänder, Hans Jürgen (2004), Giftpflanzen, Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

Hertwig, Hugo (1938), Gesund durch Heilpflanzen, Berlin: Koch’s

Rätsch, Christian (1998), Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau: AT Verlag

Rätsch, Christian (2003), Schamanenpflanze Tabak II, Solothurn: Nachtschatten Verlag

Schimpfky, Richard (1893), Unsere Heilpflanzen in Bild und Wort, Gera-Untermhaus: Köhler

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