Der unnötige "Krieg gegen Drogen"

am Jun21
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Milliarden US-Dollar sind weg, die US-Gefängnisse überfüllt und die Zahl der
Legalisierungs-Befürworter steigt. Der Krieg gegen Drogen ist nicht nur in
vielerlei Hinsicht teuer, er ist auch unnötig, wie sich belegen lässt

Nach einer Gallup-Meinungsumfrage aus dem Jahr 2011 befürworten 46 Prozent aller
Amerikaner die Legalisierung von Marihuana, nach 24 Prozent im Jahr 1990. In
dieser Zeitspanne ist die Anzahl von Personen, die Marihuana im vergangenen
Monat konsumiert haben, um 28 Prozent gestiegen. Diese Trends sind nicht
alarmierend für jemanden, der wie ich den “Krieg gegen Drogen” für gescheitert
hält und sich für ihre Legalisierung einsetzt.

Die gegenwärtige Situation ist besonders düster. Seit den 1980er-Jahren hat die
US-Regierung preisbereinigt über 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr ausgegeben, um
Drogendealer und -konsumenten festzunehmen und zu verurteilen sowie Feldfrüchte
zu zerstören. Trotz dieser gewaltigen Allokation von Ressourcen sank der Preis
für Kokain und Heroin bis in die frühen 2000er-Jahre, wo er sich auf niedrigem
Niveau einpendelte. 40 Prozent aller Betäubungsmittel-Festnahmen geschehen wegen
Marihuanabesitzes. 20 Prozent der Festgenommenen sind Jugendliche oder
Heranwachsende. Drogendelinquenten machen rund ein Viertel der amerikanischen
Gefängnisinsassen aus und beinahe alle von ihnen sind wegen gewaltfreier
Verbrechen verurteilt worden.

Joint statt Bier

Die Legalisierung von Drogen würde nicht nur die eben genannten enormen Kosten
eliminieren; sie brächte zudem erhebliche Vorteile. Manche davon sind
offensichtlich, wie die Möglichkeit, durch Besteuerung Einkünfte zu generieren.
Andere sind raffinierter. So haben etwa in einer jüngst erschienenen Studie Mark
Anderson, Daniel Rees und Benjamin Hansen herausgefunden, dass der Konsum von
Marihuana in den 16 US-Staaten, die “Medical Marihuana” seit 1990 legalisiert
haben, gestiegen ist. Gleichzeitig ist die Zahl von Verkehrstoten im selben
Zeitraum um neun Prozent gesunken. Weshalb? Die Studie (wie andere) belegt, dass
Alkohol und Marihuana in dem Sinne Substitute sind, dass eine Preissteigerung
des einen Produkts nicht nur zu geringerem Konsum dieses Produkts führt, sondern
auch zu gesteigertem Konsum des anderen Produkts. Studien mit Simulatoren und
auf Fahr-Lehrgängen zeigen, dass sowohl Alkohol als auch Marihuana die
Fahrtauglichkeit vermindern. Das Material deutet aber darauf hin, dass
Beeinträchtigung durch Alkohol das Risiko von Kollisionen erhöht, während
Beeinträchtigung durch Gras dies nicht tut.

High und nichts dabei?

Eine Regelung, nach der Substanzen wie Marihuana legal sind, würde den Märkten
für Alkohol oder Zigaretten ähneln. Der Konsum wäre durch Besteuerung reguliert,
es gäbe Alters-Untergrenzen für den Erwerb, eingeschränkte Werbung, Warnhinweise
sowie Konsumverbote an bestimmten Orten. Die Steuern würden nicht nur die
Haushaltsdefizite verringern, sondern womöglich sogar den Drogenkonsum eher
verringern als der Krieg gegen die Drogen. Legalisierungsgegner nehmen an, dies
würde nicht eintreten, weil Produzenten in den “Untergrund” gehen könnten, um
illegal Drogen zu verkaufen, wenn das Preisniveau durch die Steuern künstlich
erhöht wird.

Illegale Produktion wäre eindämmbar

Gary S. Becker, Kevin M. Murphy und ich haben jedoch gezeigt, dass der
Marktpreis von Drogen in einem System mit einer monetären Verbrauchssteuer höher
sein könnte als der Marktpreis, der durch den “Krieg gegen Drogen” entsteht. Und
das selbst, wenn die Produzenten die Steuer ignorieren und illegal im Untergrund
handeln. Der Grund dafür ist, dass die Regierung Ressourcen zur gezielten
Bekämpfung der illegalen Produktion aufwenden kann. Dadurch würde eine
nicht-monetäre Steuer in diesem Markt erhoben, deren erwartete Höhe die monetäre
Steuer auf dem legalen Markt überstiege.

Wir schlussfolgern, dass die Androhung von Kosten für illegale Produktion, die
höher sind als die Verbrauchssteuer bei legaler Produktion, hinreichend ist, um
illegale Produktion einzudämmen. Daher muss die Drohung nicht in großem Maße
umgesetzt werden und ist mithin weniger kostspielig zu implementieren als der
hergebrachte Krieg gegen die Drogen, in einem System, in dem Drogen illegal
sind. Auf lange Sicht hin könnte die Legalisierung zu einem niedrigerem
Konsumniveau führen als die gegenwärtige Situation. (Michael Grossman,
derStandard.at, 1.6.2012) Übersetzung aus dem Englischen

Der Standard, 01.06.2012

http://derstandard.at/1336698452864/Michael-Grossman-Der-unnoetige-Krieg-gegen-Drogen



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