Datura stramonium – Stechapfel

Botanisches: Einjähriges Kraut mit glockenförmigen Blüten und stacheligen Samenkapseln, das meist auf Schutt- und anderen trockenen Plätzen wächst.

Verwendung: Die Blätter werden geraucht um Asthma zu lindern und Rauschzustände zu erzeugen. Die Samen und Wurzeln tropischer Arten (Datura inoxia mill., Datura meteloides) werden von den Eingeborenen zu kultischen Zwecken benutzt. Im Mittelalter, aber gelegentlich auch wieder in der Neuzeit, wurden aus der Datura sogenannte Flug- oder Hexensalben bereitet, indem man die Pflanzenteile in Schweineschmalz auskochte.

Wirksame Inhaltsstoffe: Scopolamin, Atropin, Hyoscyamin. Datura meteloides enthält zusätzlich Meteloidin.

Wirkungen: Halluzinogen und hypnotisch. Nach der Einnahme von Stechapfel kommt es häufig innerhalb kurzer Zeit zu narkotischem Schlaf. In den darin erlebten Träumen werden häufig Verwandlung in Tiere, Flugträume und aus- schweifende sexuelle Visionen erlebt. Scopolamin lahmt den Willen und die Be- rauschten werden dadurch leicht beeinflussbar. Lewin spricht davon, daß nicht selten Frauen unter dem Einfluss von Stechapfel zu sexuellen Handlungen ver- anlasst wurden, denen sie ohne die Droge nicht zugestimmt hätten. Scopolamin fand darüber hinaus als Wahrheitsdroge bei Verhören Verwendung. In Südamerika mischt man scopolaminhaltige Pflanzenauszüge („Burundanga“) unter Getränke. Die Berauschten lassen sich dann widerstandslos bestehlen, bzw. helfen dabei sogar noch mit. In Carlos Castanedas Buch Die Lehren des Don Juan, ein Yaqui-Weg des Wissens, werden rituelle Daturaräusche beschrieben. In Deutschland wurden

Stechapfelblätter bis in die siebziger Jahre rezeptfrei in Form von Asthmaziga- retten in Apotheken verkauft. Der Verkauf wurde nur mangels Nachfrage einge- stellt, Zwischenfälle sind keine bekannt geworden. Stechapfel ist weniger giftig als die Tollkirsche, trotzdem ist große Vorsicht bei der Dosierung angebracht. Vom Gebrauch wird abgeraten; wer es nicht lassen kann, sollte sich sehr langsam, über einen längeren Zeitraum hinweg, an die Dosis herantasten, die er verträgt.

Nebenwirkungen: Die typischen Nebenwirkungen aller Nachtschattendrogen: Mundtrockenheit, unangenehm übersteigertes Tastgefühl, Herzklopfen, Sehstörungen im Gefolge der Pupillenerweiterung, schweres Vergiftungsgefühl. Vor allem vom Gebrauch des in manchen Quellen erwähnten Stechapfeltees wird abgeraten. Indianische Medizinmänner behaupten, die Einnahme oder das Rauchen der Blüten verursache Geistesschwäche. Mittelalterliche Heilkundige behaupteten, daß der Dauergebrauch von Datura zu Geistesschwäche führe. Während der anfänglichen Erregungsphase kann es zu relativ hoher Herzfre- quenz kommen. Personen mit vorgeschädigtem Herzen (Angina pectoris, Ver- engung der Herkranzgefäße, Herzinfarkt) sollten Stechapfel daher auf keinen Fall verwenden. Vergleichen Sie auch die Wirkungen und Nebenwirkungen von Atropa Belladonna und Hyoscymus niger. Todesfälle sind bei falscher Dosierung möglich.

Sonstiges: Von mittel- und südamerikanischen Medizinmännern werden häufig Blüten und Blätter der früher als Brugmansia (Baumdatura, , Engelstrompeten ) bekannten Pflanzen verwendet, wenn sie auf ihre Trance-Reisen gehen. Diese Büsche mit ihren wunderschönen, bis 35 cm langen Trompetenblüten enthalten weniger Hyoscyamin und mehr Scopolamin in der Alkaloidfraktion und sind deshalb ein wenig nebenwirkungsärmer und ein wenig ungefährlicher als unser Stechapfel. Ungefährlich sind sie deswegen noch lange nicht.

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