Cannabis während Schwangerschaft und Geburt: ein natürliches Hilfsmittel

Sensi Seeds Blog

Inspiriert durch eine Gesprächsrunde mit Ina May Gaskin, der „Mutter authentischer Geburtshilfe“, vor ein paar Monaten hier in Amsterdam, hatte ich mich entschlossen, das Thema „Cannabis während Schwangerschaft und Geburt“ genauer zu studieren. Nicht, dass Frau Gaskin mit uns über Cannabiskonsum gesprochen hätte. Sie hat allerdings ein paar Äußerungen getätigt, die mein Interesse am Thema weckten. Das ist ein Teil der Information, die ich dazu gefunden habe. Schauen Sie selbst.

Cannabis während der Schwangerschaft

Cannabis war lange vor dessen Verbot ein anerkanntes (Heil-)Mittel in der Geburtshilfe. Es beruhigt und hilft bei Übelkeit. Für Frauen, die sich mit Hyperemesis gravidarum (HG), einem schwangerschaftsbedingten Leiden, quälen, kann Cannabis wahre Wunder bewirken. Es gibt dafür keine effektive, pharmazeutische Behandlungsmethode. Cannabis aber kann sofortige Abhilfe schaffen.

Hyperemesis gravidarum (unstillbares Schwangerschaftserbrechen)

Extreme, langanhaltende, über den Tag verteilte Übelkeit, Erbrechen, auch nachts und bei leerem Magen, sowie Gewichtsverlust: Hyperemesis gravidarum ist ein ernstzunehmendes Schwangerschaftsleiden, welches, wenn es unbehandelt bleibt, für Mutter und Kind tödlich enden kann. Etwa 0,5 bis 2 % der Schwangeren zeigen eine bedrohliche Hyperemesis gravidarum.

In Erfahrungsberichten werdender Mütter wird geschildert, dass Cannabis bei diesen Beschwerden das effektivste und auch einzige Mittel ist, das hilft. Es beseitigt die Übelkeit und das Erbrechen, regt den Appetit an und lässt das Essen verdauen. In einigen U.S. Bundesstaaten ist medizinisches Cannabis für die Behandlung von Hyperemesis gravidarum zugelassen, was in Europa, meinen Recherchen zufolge, noch nicht der Fall ist.

Dr. Wei-Ni Lin Curry, eine Betroffene, beschrieb ihre Situation wie folgt:

“Innerhalb von 2 Wochen nach der Empfängnis meiner Tochter wurde bei mir eine extreme Übelkeit ausgelöst und ich habe mich tagein tagaus übergeben müssen. … Ich erbrach Galle in allen Farbtönen und habe sehr bald Blut gewürgt. … Ich habe mich so hilflos und verzweifelt gefühlt, dass ich zweimal zur Abtreibungsklinik gegangen bin, um diese wieder zu verlassen, ohne die Maßnahme durchführen zu lassen. …Schlussendlich habe ich medizinisches Cannabis ausprobiert. … Nur ein oder zwei kleine Züge am Abend und, wenn nötig, am Morgen hatten einen ganzen Tag an Wohlbefinden zum Resultat. Vom Zustand des Nichtessens, Nichttrinkens, Nichtfunktionierens, ständigen Übergebens und Blutens aus zwei Öffnungen wurde ich komplett geheilt. …Cannabis hat nicht nur mein Leben während der meiner Hyperemesis gerettet, sondern auch das Kind im Mutterleib.“

Dr. Curry hat selbst eine kleine Pilotstudie zum Thema betrieben, deren Ergebnisse Sie hier nachlesen können (nur auf Englisch).

Cannabis während Geburt

In der Geschichte wurden Cannabis und Hanf eingesetzt, um die Geburt natürlich einzuleiten oder um Blutungen zu stoppen, um Schmerzen zu lindern oder die Milchproduktion in Gang zu bringen.

Was für manche Frauen funktioniert, muss für andere nicht unbedingt geeignet sein. Es gibt Cannabissorten, die das Bewusstsein erweitern, andere entspannen und lassen Leichtigkeit aufkommen. Bei einigen gebärenden Frauen kann Cannabis Angst und vielleicht sogar Paranoia auslösen, andere reagieren mit Entspannung, Humor, Neugier und Offenheit. Letztere sind die Effekte, von denen ich sehr häufig gelesen habe. Auch Susun Weed, die berühmte Kräuterkennerin aus den USA, kann dies bestätigen: Cannabis hilft dabei, sich während der Geburt zu beruhigen, zu entkrampfen, neugierig zu sein und den Humor zu entdecken.

Dass Humor und Lachen während der Geburt durchaus förderlich sind, beteuert Ina May Gaskin ebenfalls. Cannabis soll starke Wirkungen auf Wehen haben, einen hormonellen Einfluss besitzen und helfen, Geburt und Entbindung auf eine frischere Art und Weise zu sehen.

Vieles, was während einer Geburt passiert, hat mit Instinkt zu tun und spielt sich weit unter der Grenze des Bewusstseins ab. Cannabis kann dabei helfen, dem Prozess des Gebärens zu vertrauen und nicht zu viel nachzudenken. Auch Frau Gaskin spricht immer wieder darüber, dass eine Geburt möglichst frei von Hemmungen ablaufen sollte, dass Frauen dazu ermutigt werden sollen, dem eigenen Instinkt und Bauchgefühl zu folgen.

Historische Hinweise für den Einsatz von Cannabis in der Geburtshilfe

Geschichtliche Verweise auf die therapeutische Nutzung von Cannabis für eine Vielfalt weiblicher Befinden reichen bis zum 7. Jahrhundert vor Christus zurück. In seinem Buch “Cannabis Treatments in Obstetrics and Gynecology: A Historical Review” schreibt Dr. Ethan Russo, dass Teile der Cannabispflanze, einschließlich Blüten und Samen, in China und Persien eingesetzt wurden, um Wehen einzuleiten, Fehlgeburten zu verhindern und postnatale Blutungen zu reduzieren.

Die Wikinger und Deutsche des Mittelalters haben Cannabis, Überlieferungen zufolge, gegen Geburtsschmerzen eingesetzt.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Cannabistinkturen in westlichen Kulturen gängiges Mittel. Es entstanden verschiedene Rezepte auf Cannabisbasis. Zum Beispiel waren nur wenige Tropfen, vermischt mit warmem Wasser, ein wirksames Präparat gegen Schmerzen bei der Entbindung, aber auch bei Hysterie und Menstruationsschmerzen. Mitte des 19. Jahrhunderts stellte fast jeder Apotheker seine eigenen Tinktur her.

Untersuchungen zum Einsatz von Cannabis in der Geburtshilfe

Dr. Melanie Dreher hat gemeinsam mit Kollegen über Jahre hinweg den Cannabiskonsum bei Schwangeren in Jamaika untersucht und berichtet, dass die Pflanze seit jeher eingesetzt wird, um Übelkeit zu behandeln und Appetit zu stimulieren. Der Konsum von Cannabis wird in Jamaika offiziell zwar nicht bestärkt, er wird eher abgeraten, aber dennoch erachten die Jamaikanerinnen den Brauch des therapeutischen Cannabiskonsums für sich und ihre ungeborenen Kinder als Hilfe und Heilmittel.

Dr. Dreher war während ihrer 30-jährigen Forschung zu Cannabiskonsum in der Schwangerschaft zu dem Schluss gekommen, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass der Konsum von Cannabis dem menschlichen Fötus schadet.

In ihrem Buch “Marijuana Myths, Marijuana Facts: A Review of the Scientific Evidence” stellen John P. Morgan und Lynn Zimmer fest, dass “Marihuana keine zuverlässige Wirkung auf Geburtsgröße und Länge der Schwangerschaft … oder auf das Vorkommen physischer Auffälligkeiten” bei Babys hat. Diese Feststellung scheint durch Untersuchungen sowohl in Großbritannien, der Niederlande als auch Australien bestätigt wurden zu sein.

Über Ina May Gaskin

Noch einmal zurück zu der Frau, die mich dazu inspiriert hat, nach historischen und jüngsten Informationen zum Thema „Cannabis während Schwangerschaft und Geburt“ zu suchen.

Die Leser unseres Blog kennen Ina May Gaskin vielleicht nicht als „Mutter authentischer Geburtshilfe“, sondern vielmehr als Mitbegründerin von The Farm, einer internationalen Hippie-Gemeinschaft in Summertown, Tennessee, die auf Prinzipien der Gewaltlosigkeit und des Respekts für die Erde basiert. Andere kennen sie eventuell durch die High Times Counterculture Hall of Fame, in welche sie im Jahr 2000 als erste Frau aufgenommen wurde.

Ina May Gaskin ist nicht einfach nur eine Hebamme unter vielen. Nein! Sie hat das Feuer rund um natürliche Geburten neu entfacht. Sie hat auf der Farm mit anderen Hebammen ein eigenes Geburtszentrum ins Leben gerufen. Ihr Buch „Spiritual Midwifery“ hat dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet. Sie ist auch Gründerin des „The Safe Motherhood Quilt Project“, einem Projekt in den USA, um an die Mütter zu erinnern, die wegen Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt starben. Mit der Initiative möchte sie dem Thema des Muttertodes mehr Aufmerksamkeit schenken.

Ihre Arbeit wird unter anderem in Filmen wie „Birth Story“ und „The Business of Being Born“ dargestellt. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sie eine der berühmtesten Hebammen der Welt ist. Ihr geleisteter Beitrag zur natürlichen Geburtshilfe ist immens groß: „weniger ist mehr“ oder „die Natur weiß es am besten“ sind nur zwei Äußerungen von ihr, die man immer wieder hört.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass die moderne Geburtshilfe zurückblickt, wenn sie voranschreiten will. Cannabis spielt dabei keine unerhebliche Rolle. Wir brauchen mehr unabhängige, klinische Studien und nicht nur Erfahrungsberichte und Umfragen, die wohlbemerkt wichtig sind, um Cannabis für Schwangerschaft und Geburt verkehrsfähig zu machen. Der Debatte rund um das Thema bin ich mir bewusst. Es wäre nicht die erste, und auch nicht die letzte, der man sich stellen muss.

Meine Kollegin Seshata hat im Jahr 2012 ebenfalls einen Artikel zum Thema „Cannabis und Schwangerschaft“ geschrieben, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Sie können ihn hier nachlesen.

Stefanie studiert die Anwendung von Cannabis seit 2010. Sie veröffentlicht Artikel und News mit dem Ziel, andere über Cannabis aufzuklären.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.