Cannabinoide und die personalisierte Medizin: CannMed 2016 zeichnet Dr. Mechoulam für sein Lebenswerk aus

Mechoulam Der als der „Vater der Cannabis-Forschung“ bekannte israelische Pionier der Wissenschaft, Dr. Raphael Mechoulam, wird auf der CannMed 2016 für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Dieser Kongress über Cannabinoide in der personalisierten Medizin findet im April dieses Jahres in der Medizinischen Fakultät der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) statt.

CannMed 2016 Prof. Mechoulam premio trayectoria profesional

Der israelische Wissenschaftler Dr. Rafael Mechoulam, besser bekannt als der „Vater der Cannabis-Forschung“, wird auf der CannMed 2016 einen Preis als Anerkennung für sein Lebenswerk erhalten. Dieser am 10. und 11. April 2016 zum ersten Mal stattfindende Kongress über Cannabinoide in der personalisierten Medizin soll künftig jedes Jahr stattfinden; als Ort wurde das Joseph B. Martin Conference Center der renommierten medizinischen Fakultät der Harvard University ausgewählt.

Teilnehmer des Kongresses sind international anerkannte Meinungsführer, Wissenschaftler, Ärzte und Aktivisten, die sich für Fortschritte in der Erforschung des Endocannabinoidsystems sowie der therapeutischen Wirkung von Cannabinoiden einsetzen. Die Organisatoren des Kongresses, die Unternehmen Medicinal Genomics und Courtagen Life Sciences, kündigten am 15. März 2016 an, Dr. Raphael Mechoulam mit dem Lifetime Achievement Award für seine sich über Jahrzehnte erstreckenden Entdeckungen und Beiträge zur Wissenschaft ehren zu wollen.

Uns ist es eine Freude, die Gelegenheit zu haben, Herrn Dr. Mechoulam auszuzeichnen und gleichzeitig einige der brillantesten Köpfe aus Medizin, Wissenschaft und Forschung hier willkommen zu heißen„, erklärte Kevin McKernan, wissenschaftlicher Leiter von Courtagen Life Sciences.

Raphael Mechoulam – Vorbild eines Wissenschaftlers

Dr. Mechoulam wird mit dem Preis für seine bedeutenden Beiträge zur medizinischen Wissenschaft ausgezeichnet, die er im Laufe seiner der Cannabisforschung gewidmeten Karriere verfasst hat. 1963 entdeckte er die Struktur vonCannabidiol (CBD), das eines der medizinisch bedeutendsten Bestandteile von Cannabis ist. Kurz darauf isolierte und beschrieb er 1964 die Struktur der aktiven Cannabiskomponente Tetrahydrocannabinol (THC).

Prof. Mechoulam isolierte und beschrieb die Struktur eines Wirkstoffs von Cannabis, des Tetrahydrocannabinols (THC)Prof. Mechoulam isolierte und beschrieb die Struktur eines Wirkstoffs von Cannabis, des Tetrahydrocannabinols (THC)

Fast drei Jahrzehnte später (1992 und 1995) isolierte und identifizierte er zusammen mit seinen Mitarbeitern die Endocannabinoide Anandamid und 2-Arachidonylglycerol, die zusammen mit den spezifischen Rezeptoren das Endocannabinoidsystem bilden – ein wichtiges biochemisches endogenes System, das sich im Gehirn befindet und an einer Vielzahl von physiologischen Funktionen beteiligt ist.

Mir ist es eine Ehre, für meine berufliche Laufbahn einen Preis von meinen geschätzten Wissenschaftskollegen von Courtagen Life Sciences und Medicinal Genomics entgegenzunehmen“ erklärte Dr. Rafael Mechoulam, nachdem er die Nachricht vernommen hatte.

Ich habe die meiste Zeit meines Lebens damit verbracht, die Geheimnisse, die in dieser unglaublichen Pflanze stecken, zu entschlüsseln. Die gemeinsame Arbeit an dieser Pflanze hat jetzt zur Identifizierung eines wichtigen physiologischen Systems geführt, nämlich des Endocannabinoidsystems, das an zahlreichen menschlichen Krankheiten beteiligt zu sein scheint. Ich möchte, dass meine Kollegen weiter an ihrer Forschung arbeiten und noch mehr Fortschritte bei der Akzeptanz und Einbindung der Cannabinoide in die hergebrachte Medizin erzielen, allen voran des Cannabidiol, seiner Derivate und der spezifischen CB2-Agonisten“.

Dank der Arbeit von Prof. Mechoulam, die er vor 50 Jahren begann, erhalten heute 22.000 Israelis verschreibungspflichtiges Cannabis in den Apotheken zur Linderung verschiedener Symptome, und zwar im Rahmen des staatlichen Programms für medizinisches Cannabis. Dem heute über achtzig Jahre alten Pharmakologen steht nach wie vor ein Büro in der Abteilung für medizinische Chemie und Naturprodukte der medizinischen Fakultät der Hebrew University-Hadassah zur Verfügung, wo er seine Forschungsarbeit fortsetzt. Mit seinen 85 Jahren arbeitet er aktiv mit Wissenschaftlern und Studenten in Israel, den Vereinigten Staaten, Europa, Brasilien, Japan und Neuseeland zusammen, um eine Reihe von chemischen Substanzen des Gehirns zu untersuchen und zu synthetisieren, eine Forschung, an deren Ergebnissen mehrere Unternehmen in Europa und Israel für ihre Arzneimittelentwicklung brennend interessiert sind.

Dr. Mechoulam studierte Biochemie an der Hebrew University of Jerusalem, promovierte 1958 am Weizmann-Institut und erhielt im Anschluss eine Postdoktorandenstelle am Rockefeller Institute (heute Rockefeller University) in New York. Seine Forschung an den natürlichen Produkten der Cannabispflanze begann 1960 am Weizmann Institut und wurde 1966 an der Hebrew University of Jerusalem fortgesetzt.

Der israelische Wissenschaftler, besser bekannt als Der israelische Wissenschaftler, besser bekannt als „Vater der Cannabisforschung“

Er veröffentlichte mehr als 400 wissenschaftliche Artikel und erhielt zahlreiche renommierte internationale Auszeichnungen für seine Arbeit auf dem Feld der Cannabinoide. Um den Wissenschaftler und auch den Menschen Dr. Mechoulam näher kennenzulernen, sollte man sich den einstündigen biographischen Dokumentarfilm „The Scientist“ ansehen, der 2015 von der Canna Foundation gedreht wurde, ferner die Serie SensiBilisation, die im Videoblog von Sensi Seeds zu finden ist.

Dr. Mechoulam ist seit 55 Jahren mit Dalia verheiratet, einer früheren Lehrerin, mit der er drei Kinder hat (einen Sohn und zwei Töchter), denen er seine Leidenschaft für die Wissenschaft mitgeben konnte: Sein Sohn Roy ist heute Mathematikprofessor, seine Tochter Hadas Augen- und Kinderärztin, und seine Tochter Dafna widmet sich der Neurologie und Kinderheilkunde.

In seiner Freizeit interessiert er sich besonders für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Sein Vater war Leiter des Jüdischen Krankenhauses in Sofia (Bulgarien), wo Dr. Mechoulam auch im Jahr 1930 geboren wurde, und danach Hausarzt in einem Dorf, nachdem  die Familie vor den Nazis fliehen musste. Nach seiner Auswanderung nach Israel 1949 musste Mechoulam erst ein Jahr warten, bevor er sein Studium der Chemie antreten konnte, da zunächst noch die Arabische Legion das Gebiet kontrollierte, in dem sich die Labore der Hebrew University befanden. Derweil widmete er sich im Rahmen seines Militärdienstes der Erforschung von Insektiziden.

Ich merkte dabei, dass die Unabhängigkeit, die mir die Forschung ermöglicht  hat, ein Verlangen war, von dem ich mich nicht mehr lossagen wollte“, so Dr. Mechoulam.

Es bleibt noch viel zu tun, bis medizinisches Cannabis allen Personen jeder Altersgruppe in medizinisch quantifizierten Dosen zur Verfügung steht. „Wir kennen noch nicht die exakten Mengen und wissen auch nicht, wie man sie verwendet, und können sie deshalb nicht allen Patienten verabreichen“, sagt Dr. Mechoulam. Erst weitere Forschungsarbeiten könnten alle bestehenden Zweifel ausräumen.

Ich denke, die Cannabinoide stellen einen Schatz für  die Medizin dar, der nur darauf wartet, entdeckt zu werden“, so Dr. Mechoulam.

Der Lifetime Achievement Award wird durch CannMed im Rahmen des Tagesprogramms des CannMed-Kongresses 2016 am 11. April 2016 verliehen, an dem auch Dr. Mechoulam als einer der Hauptredner teilnehmen wird.

CannMed 2016: Cannabinoide und personalisierte Medizin

Dieser erste Forschungskongress dreht sich um zwei Themen, die von zentraler Bedeutung sind für alle, die mit dem Endocannabinoidsystem arbeiten. Das erste Thema sind die therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten der Cannabinoidebei Störungen neurologischen Ursprungs. Das zweite Thema ist das Endocannabinoidsystem und seine Rolle bei Krankheitsverläufen.

Da  derzeit  große Fortschritte bei der Legalisierung von Cannabis gemacht werden und mehr als 27 US-Bundesstaaten sowie mehrere weitere Staaten dabei sind, die Nutzung von medizinischem Cannabis zu legalisieren oder sie bereits legalisiert haben, ist das Endocannabinoidsystem zu einem bedeutenden Thema im Gesundheitswesen und einem Forschungsfeld mit vielen Entdeckungen zu neuen therapeutischen Eingriffs- und Behandlungsmöglichkeiten geworden. Gleichzeitig führt das Erscheinen von neuen Techniken wie der DNA-Sequenzierung und der personalisierten Medizin dazu, dass die Möglichkeiten, die Genetik und die Steuerungsfunktionen des Endocannabinoidsystems besser zu verstehen, heute so gut wie noch nie zuvor sind.

Die Markteinführung mobiler Analysetechniken stellt zudem ein ganz neues Feld zur Durchführung von Sicherheitstests bei der Cannabinoidproduktion zur Verfügung. CannMed 2016: Der Kongress über Cannabinoide in der personalisierten Medizin konzentriert sich auf die Schnittstellen dieser drei übergreifenden Themenbereiche: Die auf Cannabinoiden basierende Therapie, die personalisierte Medizin und die mobilen Analysetechniken.

Labor zur Untersuchung von Cannabinoiden (CC. Vincent Li)Labor zur Untersuchung von Cannabinoiden (CC. Vincent Li)

CannMed richtet sich an Spezialisten auf den Gebieten Neurologie, Psychiatrie, kindliche Entwicklungsrückstände, Schmerzen etc. sowie an Forscher in Medizin und Wissenschaft, die die Rolle von Endocannabinoiden bzw. die therapeutische Anwendung von Cannabinoiden bei Krankheiten wie Epilepsie, Entwicklungsstörungen, chronischen und neuropathischen Schmerzen, Schädel-Hirn-Trauma, Hirnschlag, Alzheimer, Parkinson, posttraumatischen Belastungsstörungen und sonstigen psychiatrischen Störungen untersuchen.

Was bedeutet personalisierte Medizin?

Die personalisierte Medizin bzw. Genommedizin basiert auf der Anwendung der Kenntnisse über das menschliche Genom auf die medizinische Praxis und dem Grundprinzip, dass jeder Patient einzigartig ist und daher eine genau auf ihn zugeschnittene Behandlung erhalten muss.

In der traditionellen Medizin haben alle Patienten, bei denen die gleiche Krankheit diagnostiziert wurde, das gleiche Medikament erhalten. Diese Produkte wirkten auch bei einigen Patienten, bei anderen jedoch nicht bzw. es traten Nebenwirkungen bei ihnen auf. Im Wesentlichen besteht die personalisierte Medizin in der bestmöglichen Behandlung des einzelnen Patienten auf der Basis seiner spezifischen biologischen Marker.

Dank der neuesten Fortschritte in Wissenschaft und Technologie kann ein Patient heute mit dem für ihn geeignetsten Medikament bzw. der geeignetsten Medikamentengruppe und mit den für den einzelnen Patienten angemessenen Dosen behandelt werden, wobei seine individuellen genetischen Merkmale berücksichtigt werden. Die personalisierte Medizin basiert auf Kenntnissen über die molekularen Strukturen von Krankheiten sowie auf der individuellen chemischen Einstellung eines jeden Patienten. Die molekulare Diagnose erlaubt eine präzise Anwendung in Bezug auf Dosis und Dauer jeder Medikamentenbehandlung für jeden Patienten. Das Ziel ist dabei die Verbesserung der Wirksamkeit der Behandlung für jeden einzelnen Patienten und die Beseitigung bzw. Verringerung der Nebenwirkungen, wie sie bei anderen, der hergebrachten Medizin entsprechenden Therapieformen auftreten.

Die bei den DNA-Sequenzierungstechniken innerhalb der letzten Jahre erzielten Fortschritte haben es ermöglicht, dass die Durchführung von DNA-Sequenzierungen keine Technik mehr ist, die ausschließlich der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten ist. Vor einigen Jahren implizierte diese Technik noch einen enormen Zeit- und Geldaufwand, wogegen sie heute in den Labors für genetische Diagnose zur Routine geworden ist. Heute braucht man zur Bestimmung der DNA-Sequenz eines Teils des Genoms einer Person und zur Analyse seiner biologischen Bedeutung nur noch wenige Tage, was die Diagnose genetischer Krankheiten sehr vereinfacht.

Ebenso sind IT-Instrumente zur Analyse und Interpretation dieser Sequenzen entwickelt worden. Die Nutzung dieser IT-Instrumente zur Interpretation des Genoms ist auch unter den Begriffen Bioinformatik bzw. Computerbiologie bekannt. Infolgedessen ist eine große Anzahl medizinischer Anwendungen zur DNA-Analyse entwickelt worden. Unter diesen sticht die molekulare Diagnose genetischer Krankheiten hervor, ein Laborinstrument, das in der medizinischen Praxis derzeit schnell Verbreitung findet.

DNA-Sequenz (CC. Gabriel Andrés Trujillo Escobedo)DNA-Sequenz (CC. Gabriel Andrés Trujillo Escobedo)

Dies sind einige der Technologien, die von den Veranstaltern der CannMed 2016, den Unternehmen Medicinal Genomics und Courtagen Life Sciences, im Bereich der Cannabinoide angewendet werden. Bei  Medicinal Genomics Corporation  werden diese Technologien auf die Genetik der Cannabispflanzen angewendet, um Produkte für Züchter, Gesundheitszentren und Labore für Qualitätskontrolle zu entwickeln; diese sollen eine Hilfestellung bei der Entschlüsselung des Gencodes und beim Qualitätsniveau des medizinischen Cannabis leisten. Dafür verwendet das Unternehmen ein hochmodernes Labor für die DNA-Sequenzierung der neuesten Generation in Kombination mit Bioinformatik-Systemen. MGC war das erste Unternehmen, das eine Sequenzierung des Cannabisgenoms vorgenommen hat.

Seine Muttergesellschaft, die Courtagen Life Sciences Inc. (CLS) mit Sitz in Massachusetts betreibt ein zertifiziertes Labor für genetische Proben, das sich der Diagnose einer Reihe von neurologischen Störungen widmet, die häufig mit medizinischem Cannabis behandelt werden. Für die manchmal auch als Präzisionsmedizin bezeichnete personalisierte Medizin verwendet CLS DNA-Sequenzierungstechnologien und Bioinformatiksysteme der neuesten Generation. CLS ist auch in mehrere klinischen Studien involviert, die das genetische Profil von Patienten und seine Korrelation mit der Cannabistherapie untersuchen. Die Arbeit von Courtagen besteht darin, Ärzten dabei zu helfen, die Verbindungen zwischen den Genotypen und Phänotypen verschiedener neurologischer Krankheiten zu erkennen.

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