Cannabinoide in der Medizin – ein Überblick für Ärzte und Fachpersonal

Medizin Sie sind Mediziner, Facharzt, Krankenschwester oder Pfleger? Sie werden von Patienten zum therapeutischen Potenzial von Cannabis befragt und wollen selbst mehr darüber erfahren? Dann hilft diese Abhandlung der verschiedenen Aspekte des Einsatzes von medizinischem Cannabis dabei, sich mit dem Thema vertraut zu machen.

Das therapeutische Potenzial von Cannabis erklärt

Sie sind Mediziner, Facharzt, Krankenschwester oder Pfleger? Sie werden von Patienten zum therapeutischen Potenzial von Cannabis befragt und wollen selbst mehr darüber erfahren? Dann hilft diese Abhandlung der verschiedenen Aspekte des Einsatzes von medizinischem Cannabis dabei, sich mit dem Thema vertraut zu machen. Weiterführende Links dienen dazu, detaillierte und landespezifische Informationen zum Einsatz von Cannabinoiden in der Medizin abzufragen.

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und Fachpersonal

Über medizinisches Cannabis und Cannabinoide

Spricht man von medizinischem Cannabis, Medizinalhanf oder Mediwiet spricht man vom therapeutischen Einsatz der Wirkstoffe der Cannabis Sativa L. Pflanze, den Cannabinoiden.

Man geht davon aus, dass Cannabis ca. 60 Phytocannabinoide enthält. Die bekanntesten Cannabinoide, vor allem wenn es um den medizinischen Einsatz geht, sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) und Cannabinol (CBN).

THC ist ein psychoaktives Cannabinoid und für die berauschende Wirkung von Cannabis bekannt. THC hat einen hohen therapeutischen Nutzen und wurde im Jahr 1964 zum ersten Mal von Prof. Raphael Mechoulam am Weizmann-Institut für Wissenschaften in Israel isoliert.

CBD ist ebenfalls eines der bekannteren und ausführlich erforschten Phytocannabinoide. Es fungiert als Vermittler der THC-Effekte und wird deshalb im Allgemeinen von Natur aus als nicht psychotrop eingestuft. Studien haben gezeigt, dass CBD eine beruhigende Wirkung hat, was teilweise erklären könnte, warum Sorten mit einem hohen CBD-Anteil für ihren “Stoned-” statt für ihren “High-” Effekt bekannt sind. Auf diese beiden Effekte wird weiter unten im Text noch eingegangen.

Nach THC und CBD ist CBN ein weiteres bekanntes Cannabinoid. CBN wirkt nur leicht psychotrop und fungiert vermutlich als schwacher Agonist sowohl des CB1- als auch des CB2-Rezeptors im Endocannabinoid-System. Außerdem ist es für seine vielfältigen medizinischen Anwendungen bekannt, z.B. als Antikonvulsivum und als Antiemetikum. Darüber hinaus dürfte CBN teilweise für die beruhigende Wirkung mancher Cannabissorten verantwortlich sein.

Das Endocannabinoid-System und der Nutzen einer Therapie mit Cannabinoiden

Das menschliche Gehirn produziert den Neurotransmitter Anandamid, welcher ebenfalls zur Gruppe der Cannabinoide gehört. Die Rezeptoren für Anandamide sind überall im menschlichen Körper verteilt: im Nervensystem, im Darm, in anderen Organen, insbesondere aber im Gehirn. Diese Rezeptoren senden dem Gehirn Impulse. Das Netzwerk, in dem diese Vorgänge ablaufen, ist das Endocannabinoid-System. Diesem System sind die zwei oben genannten Rezeptoren angeschlossen: CB1 und CB2.

Die in Cannabis enthaltenen Phytocannabinoide sind in der Lage, sich an die im Körper des Menschen anwesenden endocannabinoiden Rezeptoren zu binden und diese zu aktivieren. Dieser Vorgang ist die Basis aller psychotropen und medizinischen Wirkungen von Cannabis.

Der Cannabinoid-Rezeptor 1 (kurz CB1) befindet sich vorwiegend in den Nervenzellen. Am häufigsten kommt er im Kleinhirn, in den Basalganglien sowie im Hippocampus vor. Aber auch im peripheren Nervensystem ist er zu finden.

Der Cannabinoid-Rezeptor 2 (kurz CB2) dagegen befindet sich vorwiegend auf den Zellen des Immunsystems und in den Osteoblasten bzw. Osteoklasten.

Medikamente auf Cannabisbasis zielen auf die Aktivierung der CB1- und CB2-Rezeptoren ab. Dass Cannabinoide bei verschiedenen Leiden einen therapeutischen Nutzen haben gilt heute als erwiesen.

Welche Cannabissorte eignet sich am besten für die medizinischen Anwendung?

Cannabissorten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer psychoaktiven als auch therapeutischen Effekte.

Prinzipiell eignen sich alle Cannabis-Varietäten für den medizinischen Gebrauch, was allerdings nicht bedeutet, dass für Patienten auch alle Sorten zur Verfügung stehen. Welche Cannabismedikamente es genau auf dem Markt gibt wird weiter unten im Text erörtert.

Wegen ihrer „High“-Effekte eignen sich Cannabis Sativa-Sorten eher tagsüber zur medizinischen Anwendung, z.B. wenn ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erwünscht ist. In gleicher Weise sind Cannabis Indica-Sorten aufgrund ihrer beruhigenden Wirkungen und dem „Stoned“-Effekt eher für die Anwendung am Abend und in der Nacht geeignet. Hybride, eine Kombination aus Sativa- und Indica-Genetik, sind für die Patienten geeignet, die die Effekte beider Varietäten in ihrer individuellen Therapie benötigen.

Die Unterscheidung zwischen Cannabis Sativa und Cannabis Indica führt häufig zu Verwirrungen. In der medizinischen Landschaft werden darum oftmals die Cannabinoide  THC und CBD in Betracht gezogen, wenn man über den Einsatz von Medizinalhanf spricht.

Medizinisches Cannabis  in Apotheken gibt es prinzipiell in drei verschiedenen Formen:

  • Mit hohem THC-Gehalt und niedriger CBD-Konzentration,
  • Mit hoher THC-Konzentration und hohem CBD-Gehalt,
  • Mit niedrigem THC- und hohem CBD-Gehalt.

Dennoch, der Effekt von Cannabis und dessen therapeutische Einsatzgebiete werden nachfolgend anhand der Indica-/Sativa-Spezifizierung dargestellt.

Medizinische Cannabis Indica -Sorten

Cannabis Indica-Sorten haben einen hohen Anteil an CBD und an THC. Indicas wirken für gewöhnlich wie ein Beruhigungsmittel, der Konsument fühlt sich „stoned“. Dies ist beim Patienten vor allem körperlich spürbar, da die Muskelspannung vermindert wird. Indicas sind am effektivsten bei der Behandlung von Muskelspasmen und Tremor-Symptomen, die z. B. bei mit Multipler Sklerose und Parkinson auftreten. Vor allem bei chronischen Schmerzen stellt Cannabis eine erwägenswerte Alternative zu Opiaten dar, des Weiteren bei arthritischer und rheumatischer Steifheit und Schwellung sowie Schlafstörungen und Schlaflosigkeit.

Medizinische Cannabis Sativa -Sorten

Cannabis Sativa-Sorten neigen zu einem hohen THC- und einem niedrigeren CBD-Gehalt. Sativas haben einen zerebralen, energiegeladenen „High“-Effekt, der beim Patienten sowohl geistig als auch körperlich spürbar ist. Sativas sind effektiv  bei der Behandlung von Übelkeit und Brechreiz, hervorgerufen durch Chemotherapie oder HIV/AIDS-Medikamente, bei Appetitlosigkeit, Migräne, Depression, chronischen Schmerzen und verwandten Indikationen.

Medizinische Indica-/Sativa-Hybride

Hybride, Kreuzungen aus Indica- und Sativa-Sorten, weisen charakteristische Merkmale von beiden Cannabistypen auf. Für manche Patienten ist das von Vorteil, besonders wenn ihnen Cannabis zur Linderung chronischer Schmerzen verabreicht wird, denn hierfür eignet sich die Indica- und die Sativa-Sorte in gleicher Weise. Die Kombination von Sativa-Genen mit einer Indica-Sorte kann die geistige Klarheit fördern und beruhigende Wirkungen abschwächen, während der Zusatz von Indica-Genen zu Sativa-Sorten die gelegentliche Tendenz der reinen Sativas zur Erregung von Ängsten mildern kann.

Die Art der zu behandelnden Krankheit ist eine gute Orientierungshilfe für die Frage, ob eine Indica- oder eine Sativa-Sorte jeweils angemessener ist. Für die Wahl des geeignetsten medizinischen Cannabistyps in einem individuellen Krankheitsfall ist es im Allgemeinen am besten, zunächst das Wesen der Symptome festzustellen, von denen der Patient befreit werden möchte.

Was es zu beachten gibt

Wichtig ist, sich darüber im Klaren zu sein, dass jeder Mensch die medizinische Anwendung von Cannabis subjektiv anders erlebt, ebenso wie sich Menschen in ihrer physiologischen Veranlagung voneinander unterscheiden. Die hier angebotenen Informationen sind als grundlegende Orientierung gedacht.

Medizinisches Cannabis und Cannabinoid-Zubereitungen in Europa

Im Allgemeinen können in Europa Cannabisblüten und Cannabisextrakte durch Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen verschrieben werden. Die folgenden Cannabiszubereitungen sind auf dem Markt:

Medizinische Cannabisblüten (Cannabis flos)

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und FachpersonalSeit dem Jahr 2005 baut das Niederländische Unternehmen Bedrocan im Auftrag des Niederländischen Ministeriums für Gesundheit, Gemeinwohl und Sport Cannabis an. Cannabis Flos Bedrocan®, Bedrobinol®, Bediol® und Bedica® können vom Arzt verschrieben werden, solange der Patient berechtigt ist, Cannabisblüten zu sich zu nehmen.

Bedrocan®  hat eine THC-Konzentration von etwa 22 %. Die CBD-Konzentration beträgt weniger als 1 %. Diese Cannabissorte ist eine Sativa.

Bedrobinol® hat eine THC-Konzentration von etwa 13,5 %. Die CBD-Konzentration beträgt weniger als 1 %. Auch diese Sorte wird als Sativa eingestuft.

Das Granulat Bediol® enthält neben einer etwas niedrigeren THC-Konzentration von etwa 6,3 % eine CBD-Konzentration von ungefähr 8 %. Auch bei diesem Granulat spricht man von einer Sativa.

Bedica® ist die Indica-Sorte unter den von Bedrocan hergestellten medizinischen Cannabisblüten. Die THC-Konzentration liegt bei ungefähr 14 %, CBD-Konzentration ist weniger als 1%.

Zudem hat Bedrocan zwei weitere Sorten im Sortiment: Bedrolite® und Bedropuur®, allerdings sind diese beiden Varietäten nicht überall erhältlich.

Bedrolite® ist mit einem CBD-gehalt von 9 % CBD und einer THC-Konzentration von  0,4 % eine nicht psychoaktive Sorte, die für Patienten und Forschung zur Verfügung steht. Im Moment ist diese Varietät nur in den Niederlanden und Ländern, die mit Zustimmung des  Niederländischen … beliefert werden zur Verfügung. An einem Standard für diese Sorte wird noch gearbeitet

Bedropuur® gibt es bisher nur in Kanada und das ausschließlich zu Forschungszwecken. Diese Indica hat einen hohen THC-Anteil und eine CBD-Konzentration von weniger als 1 %.

Bedica®, Bedrolite® und Bedropuur® werden im Moment noch standardisiert. Bedrocan®, Bediol®, Bedrobinol®, Bedica® en Bedrolite® wurden nach dem niederländischen Gesetz als medizinische Grundstoff registriert.

Sativex

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und FachpersonalDas Mundspray mit den Handelsnamen Sativex  und dem Wirkstoff Nabiximols ist in insgesamt 15 Ländern, einschließlich Großbritannien, Spanien, Italien, Tschechien, Dänemark und Deutschland zugelassen. Nabiximols enthält standardisierte Mengen  an Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) und unterliegt betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften.

Sativex ist für die Behandlung  von neuropathischen Schmerzen und Spasmen bei Multipler Sklerose zugelassen und wird momentan auch für die Krebstherapie, genauer in der Behandlung von Krebsschmerzen, entwickelt.

Mediziner und Patienten, die sich zu Sativex weitere Informationen einholen wollen, können dies über diesen Link tun.

Dronabinol

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und FachpersonalDronabinol, auch unter dem Handelsnamen Marinol bekannt, ist synthetisch hergestelltes Tetrahydrocannabinol (THC) und unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Marinol-Kapseln bzw. ölige Dronabinol-Tropfen enthalten demnach eine strukturidentische Substanz der pflanzlichen THC-Komponente.

Dronabinol findet vor allem Anwendung in der Behandlung von Erbrechen und Übelkeit durch Chemotherapie-Kuren und bei der Behandlung von Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust  bei AIDS-Patienten.

Nicht in allen europäischen Ländern ist Dronabinol zugelassen. Ist daher ratsam, die landeseigene Gesetzgebung zu Dronabinol abzufragen.

Eine Reihe an häufig gestellten Fragen zu Marinol wird vom Hersteller hier beantwortet.

Nabilon

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und FachpersonalDer vollsynthetisch hergestellte THC-Abkömmling Nabilon ist wie Dronabinol in Deutschland als Betäubungsmittel verkehrs- und verschreibungsfähig, aber seit 1991 nicht mehr als Fertigarzneimittel im Markt. Präparate gibt es beispielsweise noch in Kanada oder in Großbritannien. Sie werden zur Behandlung von Kachexie bei AIDS-Patienten und zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Chemo- und Strahlentherapie im Rahmen einer Krebstherapie eingesetzt.

Indikationen für den Einsatz von Cannabis und Cannabinoiden

Cannabinoide haben das Potential, eine Menge Krankheiten und Beschwerden zu behandeln. Gut dokumentiert und nachgewiesen ist ihre Wirksamkeit bei folgenden Krankheitsbildern:

  • Muskelkrämpfe und Spasmen, die von Multipler Sklerose oder Rückenmarksverletzungen verursacht werden,
  • Übelkeit/Brechreiz, Appetitlosigkeit sowie Gewichtsverlust und Schwäche, die durch Krebs oder AIDS verursacht werden,
  • Übelkeit und Erbrechen als Folge von Medikamenten, Chemo- oder Bestrahlungstherapie bei Krebs, Hepatitis C, HIV oder AIDS,
  • Chronische Schmerzen, besonders wenn die Schmerzen sich auf das Nervensystem beziehen oder durch ein Nervenleiden verursacht werden,
  • Therapieresistentes Glaukom,
  • Diabetes,
  • Tourette-Syndrom,
  • Posttraumatische Belastungsstörung,
  • ADHS,
  • Depressive Störungen,
  • Morbus Crohn.

Zur Orientierung enthält der Alternative Drogen- und Suchtbericht 2015, auf der Seite 43 eine Liste weiterer Diagnosen, die mit Cannabismedizin behandelt werden.

Was sind die Nebenwirkungen einer Therapie mit Cannabis?

Häufige Nebenwirkungen von Cannabis sind Müdigkeit, Schwindel, psychische Effekte und Mundtrockenheit. Allerdings berichten Patienten darüber, dass gegen die soeben genannten Nebenwirkungen schnell eine Toleranz aufgebaut wird. Es ist zudem wichtig ist erwähnen, dass im therapeutischen Einsatz von Cannabinoiden Entzugssymptome kaum ein Problem darstellen.

Klinische Studien zum Einsatz von Cannabis und Cannabinoiden in der Medizin

In den vergangenen Jahren wurden weltweit zahlreiche Studien zum Einsatz von medizinischem Cannabis durchgeführt.

Unlängst veröffentlichte die Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM) einen Überblick über klinische Studien zu Cannabis und Cannabinoiden, der detaillierte Informationen enthält.

Zudem bietet die mehrsprachige  Informationsplattform der IACM eine Fülle an Informationen rund um Medizin, Wissenschaft, Recht und Politik zum Thema medizinisches Cannabis und Cannabinoide.

Für Ärzte und Patienten: Wege zur Informationsbeschaffung und zur Cannabismedizin

Die Möglichkeit des Einsatz von Cannabinoiden in der Medizin variiert von Land zu Land. Die folgenden Auskünfte und Links sollen behilflich sein, länderspezifisch Informationen zu medizinischem Cannabis einzuholen.

Deutschland

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und FachpersonalIn Deutschland kommen für eine Behandlung mit Cannabis und Cannabinoiden entweder die Verschreibung von Medikamenten auf Cannabis-Basis oder ein Antrag auf Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Cannabisblüten (Cannabis flos) bei der Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) infrage. Für das Verordnen von Cannabinoid-Medikamenten auf einem Betäubungsmittelrezept benötigt ein Mediziner keine Ausnahmeerlaubnis. Jeder Arzt kann diese Medikamente auf einem privaten Betäubungsmittelrezept verschreiben. Die deutsche Bundesregierung hat angekündigt, 2016 ein Gesetz zu veröffentlichen, dass:

  • Cannabisblüten für Patienten, Ärzte und Apotheker zu einem relativ unkompliziert auf Betäubungsmittel-Rezept verschreibungsfähiges Arzneimittel macht;
  • den Umweg über eine staatliche Ausnahmegenehmigungen wegfallen ließe;
  • die Kostenübernahme durch die Krankenkassen „in bestimmten Fällen“ vorsieht;
  • zur Sicherung der Versorgung eine Cannabis-Agentur vorschreibt, die Lizenzen zum Anbau von Cannabis als Medizin ausschreibt, vergibt und überwacht.

Mediziner haben die Möglichkeit, sich mit Kollegen und Fachleuten zum Thema auseinandersetzen. Die deutsche Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) hat zum Thema eine Anleitung für Ärzte und Patienten zusammengestellt, die alles Wissenswerte enthält. Die Informationsschrift können Sie hier herunterladen.

Zudem verfügt die ACM über eine interne Mailingliste für Ärzte und stellt regelmäßig ein Informationsmagazin zusammen. Auf der Webseite ist ein Bereich mit dem Namen „Von Arzt zu Arzt“ eingerichtet, auf dem unter anderem ein Film über die Möglichkeiten zum legalen Einsatz von medizinischem Cannabis abgerufen werden kann.

Niederlande

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und FachpersonalIn den Niederlanden kann seit 2003 Cannabis flos durch Ärzte verschrieben und durch Apotheken ausgehändigt werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen fünf  Medizinalhanf-Sorten der Firma Bedrocan zur Verfügung. Wissenschaftler, Universitäten, Krankenhäuser und Apotheker können sich beim Bureau voor Medicinale Cannabis Informationen zu medizinischem Cannabis einholen. Auch für Patienten wurde eine Informationsbroschüre zusammengestellt.

Die unabhängige Stiftung Nederlandse associatie voor legale Cannabis en haar Stoffen als Medicatie (NCSM) hat sich zum Ziel gesetzt, den Kenntnisstand zu medizinischem Cannabis zu verbessern, sowohl bei Patienten als auch Ärzten. Man gibt praktische Tipps zum Verschreiben, zur Vergütung und zum Gebrauch, auch dann, wenn man als Patient auf Reisen geht.

Für Patienten stehen weitere Informationsplattformen zur Verfügung, z.B. die der Stiftung Mediwiet, die aufklärt und regelmäßig Interviews mit Betroffenen ins Netz stellt.

Frankreich

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und FachpersonalMedizinisches Cannabis ist in Frankreich illegal. Im Juni 2013 wurde eine Verordnung erlassen, die den bereits vorhandenen Paragraphen des Gesetzbuches für das Gesundheitswesen ergänzte (dieses Gesetzbuch dient der Rechtsprechung für Drogenkonsumenten, während Produzenten oder Händler nach dem Strafgesetzbuch belangt werden).  Diese Verordnung genehmigt zwar Medikamente auf Cannabisbasis, aber keine medizinischen Cannabisblüten.

Die UFCM icare (französische Union für die Verwendung von Cannabinoiden in der Medizin) hält ein jährliches Symposium für Ärzte aus ganz Europa ab, bei dem es um pharmazeutische Fortschritte und die therapeutische Verwendung von Cannabinoiden in der Medizin geht. Die Organisation ist zudem ein äußerst wichtiger Link zwischen Medizinern und Patienten.

Großbritannien

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und FachpersonalCannabis wird in England and Wales nicht als Mittel mit therapeutischem Nutzen anerkannt. Medikamente auf Cannabisbasis allerdings können unter bestimmten Voraussetzungen verschrieben werden, z.B. das bereits beschriebene Mittel Sativex. Ärzte können das Mundspray auf eigenes Risiko auf Privatrezept verschreiben, Apotheker dürfen es nach Rezept anfertigen und Patienten, die ein solches Rezept haben, dürfen Sativex beziehen.

Das Mittel Nabilon, welches in Großbritannien im Jahr 1982 lizensiert wurde, steht rezeptpflichtig für den Einsatz in Krankenhäusern zur Verfügung, wie bereits beschrieben für die Behandlung von Übelkeit nach Chemotherapie.

Ärzte, die sich zu (medizinischem) Cannabis in Großbritannien informieren wollen, können dies bei dem unabhängigen Drogeninstitut drugscience tun.

Zu erwähnen wäre noch, dass nicht britische Staatsbürger, die in Besitz eines Cannabis-Rezepts und korrekter Dokumentation sind, als Teil des Schengen-Abkommens ihr Cannabis mit nach Großbritannien nehmen dürfen, sollten sie dorthin verreisen wollen. Dieses Recht gilt allerdings nicht für britische Staatsbürger. Sie können nicht in ein anderes Land reisen, sich ein Rezept ausstellen lassen und dann mit Cannabis wieder einreisen.

Spanien

Cannabinoide in der Medizin - ein Überblick für Ärzte und FachpersonalDie therapeutische Anwendung von Cannabis ist in Spanien über das Krankenhausrezept geregelt. Es sei darauf hingewiesen, dass medizinische Konsumenten keine Vorteile genießen, da in Spanien auf rechtlicher Ebene kein Unterschied zwischen dem Freizeit- und dem medizinischen Konsum gemacht wird. Dennoch wird letzterer immer mehr toleriert.

In Spanien sind es Katalonien und das Baskenland, die sich bisher für die offizielle Legalisierung von medizinischem Cannabis eingesetzt haben. Das Gesundheitsministerium von Katalonien hat Schritte unternommen, um die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke zu regulieren. Patienten mit Schmerzen verursachenden Krankheiten, wie z.B. Krebs und AIDS, kann mit Sativex geholfen werden, ihre Beschwerden zu lindern. Das Medikament wurde in Katalonien genehmigt und kann von allen Patienten verwendet werden, die aufgrund der Krankheit an sich (Krebs) oder aufgrund einer Chemotherapie unter Schmerzen leiden. Sativex kann grundsätzlich den Patienten verschrieben werden, die auf konventionelle Therapien, die üblicherweise Anwendung finden, nicht gut ansprechen.

Eine andere Option für Kranke sind die sogenannten Cannabis Social Clubs, will man medizinisches Cannabis erhalten und verwenden.

Zwei große Organisationen, die CATFAC und  FEDCAD, informieren in Spanien, bzw. Katalonien, über den Einsatz von medizinischem Cannabis.

Cannabinoide in der Medizin  –  Schlusswort

Eine Pflanze, ein Europa, verschiedene Gesetze. Wir hoffen, Ihnen mit diesem Überblick über Cannabinoide in der Medizin, über Produkte, Sach- und Kenntnislage, Informationen zur rechtlichen Situation und den vielen beigefügten Links behilflich gewesen zu sein, sich mit dem Thema weiter vertraut zu machen. Scheuen Sie nicht, Kontakt mit uns aufzunehmen, sollten Sie weitere Informationen benötigen. Im Kommentarfeld unten können Sie uns anschreiben.

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