Alternativer Drogen-und Suchtbericht 2016 in Berlin veröffentlicht

 

Kurz vor der Veröffentlichung des offiziellen Drogen-und Suchtberichts der Bundesregierung am 9.6.2016 wurde in Berlin der 3. Alternative Drogen- und Suchtbericht vorgestellt. Herausgeber des Berichts sind akzept e.V., die Deutsche AIDS-Hilfe und der JES e.V. Der Bericht ist eine Zusammenstellung von Essays unterschiedlichster Fachleute, die ein Gegengewicht zur alljährlichen Veröffentlichung der Bundesregierung schaffen möchten. Die bisherige Drogenpolitik in Deutschland wird darin massiv kritisiert und als gescheitert angesehen. So heißt es in der offiziellen Pressemitteilung zur Veröffentlichung des Berichts:

Ein Kurswechsel in der Drogenpolitik könnte Leben retten, Abhängigkeit verhindern und Schluss machen mit drastischer Ressourcenverschwendung in Justiz- und Polizeiarbeit.
[…]
„In der deutschen Drogenpolitik herrscht Stillstand. Beim Konsum der Volksdrogen Tabak und Alkohol ist Deutschland Weltspitze, bei den illegalisierten Drogen führen Strafverfolgung Konsumierender und ein Mangel an Hilfsangeboten zu immer mehr Drogentoten und drastischen Problemen für Konsumierende und die Gesellschaft .

Kritik am Umgang mit dem Thema Cannabis

Sehr kritisch betrachten die Experten auch die Haltung der Bundesregierung beim Thema Cannabis. Mit Verweisen auf die globale Diskussion und weltweite Tendenzen in Richtung Legalisierung wird angemahnt, dass die Deutsche Bundesregierung, insbesondere die Drogenbeauftragte Marlene Mortler, diesen nicht aufzuhaltenden Prozess ignoriert und die historischen Entwicklungen verschläft. Das vorherrschende Dogma des Cannabisverbots wird in dem Bericht gerade auch von Seiten der Drogenberater und Suchtspezialisten kritisiert, da es die Handlungsmöglichkeiten für sozialpräventive Maßnahmen verringert und die Klienten zusätzlichen Belastungen durch Strafverfolgung aussetzt.

Deutscher Hanfverband mit zwei Beiträgen vertreten

Im Alternativen Drogen-und Suchtbericht finden sich auch zwei Texte von Mitarbeitern des Deutschen Hanfverbandes. Unser Geschäftsführer Georg Wurth gibt mit seinem Artikel “ Repräsentative Umfragen: Wie stehen die Deutschen zu Cannabis und Legalisierung?“ einen Überblick über den Status Quo der öffentlichen Meinung zu Cannabis in Deutschland: 

Eine Mehrheit für eine vollständige Legalisierung von Cannabis gibt es in Deutschland noch nicht. Aber die Werte steigen seit Jahren deutlich an, eine Mehrheit hält den Kampf gegen Drogen für wenig erfolgreich und glaubt unabhängig von der eigenen Meinung, dass Cannabis in Deutschland für Erwachsene in einigen Jahren legal erhältlich sein wird.

Florian Rister berichtet in seinem Beitrag “ Die weltweite Bewegung für eine Reformierung der Drogengesetze wächst!“ von der reform-conference 2015 der Drug Policy Alliance (DPA), wo der DHV mit einem fünfköpfigen Team dabei war:

Vom 11. bis 14. Oktober 2015 fand im US-Bundesstaat Virginia die internationale Reform Konferenz („reform-conference“) der Drug Policy Alliance (DPA) statt. Über 1.500 Teilnehmer_innen aus 71 Ländern waren vor Ort, um sich über ihre Erfahrungen bei der Arbeit für eine Reform der weltweiten Drogengesetze auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Während aus vielen Gebieten Amerikas positive Entwicklungen berichtet wurden, zeigten Geschichten von Repressionsopfern aus Russland, Thailand oder auch den USA auf schockierende Weise auf, wie dramatisch der Drogenkrieg weltweit in das Leben von Menschen eingreift und dass der Weg zu einer humanen und gerechten internationalen Drogenpolitik noch sehr lang sein wird.

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