Aktive Trichocerei, Teil I

von K. Trout; Übersetzung Lord Shadowcaster (T.E.R. Vol IX #3, S. 128-133)

In diesem und den folgenden beiden Teilen soll weniger die Zucht, als vielmehr die Auswahl im Vordergrund stehen. Dies ist natürlich nur für jene Leser sinnvoll und interessant, deren Interessen nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten. In Deutschland jedenfalls sind Zucht, Besitz und Verkauf der besprochenen Kakteen unter der Voraussetzung verboten, dass die Pflanzen zu Rauschzwecken bestimmt sind. Andere Staaten haben möglicherweise sinngemäß gleiche Gesetze.

 

Dieser Artikel ist der erste einer dreiteiligen Serie zur Präsentation nützlicher Trichocereiarten. Ein Problem, mit dem sich, an psychoaktiven Sorten interessierte, Kaktuszüchter konfrontiert sehen, ist die Auswahl der am besten zu kultivieren Arten. Das Ergebnis sind dann ein Haufen T. pachanoi und ein paar T. peruvianus Sorten, von denen sie nichts wissen. Manchmal müssen sie feststellen, dass sie Jahre wertvoller Zeit und Mühe in eine eigentlich schwache Züchtung gesteckt haben. Sogar einzelne Züchtungen können extrem potenter sein als Vertreter der gleichen Art. Zum Beispiel wurden vom gewöhnlichen T. pachanoi, aus zwei verschiedenen Quellen, Werte von über 2% und 3% berichtet (Helmlin & Brenneisen 1992, mit einer Schweizer Züchtung und Gennaro et al. 1996 mit italienischen Pflanzen), aber die meisten der gezüchteten T. pachanoi besitzen grade mal 5-10% dieser Potenz (0,15% wurde von Mangura et al. 1982 berichtet und 0,3% von Crosby & Mc Laughlin 1973). Jegliche Vergleiche von Potenzen zu T. pachanoi in diesem Artikel, sind subjektive Erfahrungen des Probanden, der die gegessene Pflanze mit der, was er als einen ’normalen‘ T. pachanoi erachtet, vergleicht. Vergleiche mit den Pflanzen der Leser könnten daher irreführend sein. Durch die Nennung mehrerer Trichocerei, welche bereits auf dem kommerziellen Markt verfügbar sind oder sein werden, hoffen wir, dem Leser die Möglichkeit zu geben, seine Kollektion sinnvoll zu erweitern und die Effektivität seines Strebens zu steigern.

WBaker 5452  wurde 1983 von Julio Cruz gefunden (Jayuri Bezirk, Murillo, Bolivien). Aus irgendeinem Grund glaubte man, es sei ein T. pachanoi, aber Form und Umgebung sprechen sehr stark für T. bridgesii. Menschliche Versuche und GC-MS haben beide seine Psychoaktivität bestätigt, aber diese Informationen wurden nie in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht. Ebenfalls unberichtet blieb die Beobachtung des traditionellen Gebrauchs der einheimischen Leute – ein Umstand, welcher sich nicht genauer klären lässt.

Trichocereus sp. WBaker 5452 (ø=3,81 cm)

„San Pedro Amsterdam“ ist ein Trichocereus bridgesii, welcher in Amsterdamer Smartshops als San Pedro verkauft wird. Es wird von ihm behauptet, selbst in kleinen Portionen aktiv zu sein, wobei jedoch jegliche analytische Arbeit bis dato fehlt. Im Gegensatz zu den meisten T. bridgesii mit gelblichen bis mittelbraunen Stacheln hat dieser weitaus dunklere Stacheln. Interessanterweise wurde von einer einheimischen Quelle höhere Potenz im Zusammenhang mit dunkleren Stacheln behauptet.

San Pedro Amsterdam

Der „Eusaporus“-Klon RS0005 (Abbildung 3), erhalten von der inzwischen stillgelegten Kaktuszuchtstation Stick Business, und ähnlich erscheinende Trichocereus bridgesii Formen werden von Zeit zu Zeit als recht potent beschrieben, aber T. bridgesii ist dafür bekannt, sehr variabel hinsichtlich seiner Stärke und Schmackhaftigkeit zu sein. Der Eusaporusklon ist potent, eher unbitter und Setzlinge wurzeln schnell, im Gegensatz zu anderen starken Sorten, die mehr Bitterkeit ,mehr Stacheln, eine ekelhafte Konsistenz haben und/oder empfindlicher sind. Eine große Dosis des roh konsumierten Eusaporus erzeugte anhaltende Nebeneffekte, welche nicht auftraten, wenn dieser gekocht wurde. Chemische Analyse und Erklärungen dieses Phänomens fehlen.

Trichocereus bridgesii

Wie T. bridgesii stellt auch T. macrogonus (Abbildung 4) eine extrem variable Sorte dar.

Trichocereus macrogonus

Der einzige analytische Bericht fand einen eher geringen Gehalt an Mescalin. Jedoch schwanken Berichte von Konsumenten zwischen keinerlei Aktivität und außergewöhnlicher Potenz, ähnlich variabel wie der Schleim, welcher fast komplett abwesend sein oder einen dicken Tee mit der Konsistenz von Schnott bilden kann. Die abgebildete Züchtung (RS0004) zeigte sowohl mehr Potenz als T. pachanoi als auch fast keinen vorhandenen Schleim.

Trichocereus bridgesii f. monstrosus

Der hübsch-hässliche Trichocereus bridgesii f. monstrosus („Klon B“) ist eine weitere Pflanze mit Auszeichnungen seitens der Konsumenten. Mindestens zwei verschiedene Formen des monströsen T. bridgesii sind aktiv. Eine hat lange Sektionen, die größtenteils stachellos sind, bis auf zufällige Streuungen. Die andere – gezeigt in diesem Artikel – besteht hauptsächlich aus kleinen Abschnitten (mit einem sporadisch auftretenden langen Teil, die von glatt bis extrem stachelig auf einer Pflanze reichen ( Obwohl Schuppung und Spaltung durch Überwässerung gewöhnlich sind verdient sie einen Platz in jedem Garten eines Kaktusliebhabers. Eigentlich ist der T. bridgesii f. monstrosus nicht rar im Gartenbau, jedoch wird er seltener angetroffen, da er meist vergriffen ist, sobald er im Handel steht.

Trichocereus scopulicola

Trichocereus scopulicola entspricht T. pachanoi jedoch mit schmaleren Rippen, weniger Einkerbungen über den Areolen und eine gröbere ‚Körnung‘ der Oberfläche, welche dadurch fast matt erscheint. Interessanterweise entwickeln die australischen Pflanzen (Abbildung 8 & 10) mit der Zeit Einkerbungen unter den Areolen. T. scopulicola hat außerdem kürzere Stacheln als T. pachanoi, aber auch hier treten Schwankungen auf (besonders, wenn aus Samen aufgezüchtet). Pflanzen, mit der Bezeichnung FR 991, welche zu genetischen Zwecken verwendet wurden, sind unabhängig „gleich stark zu T. pachanoi“ in Australien oder „maßgeblich stärker“ in den USA  eingestuft worden – Berichte die „fast doppelt so stark wie T. pachanoi“ besagen existieren auch.

Trichocereus pachanoi

 

 

Der vielleicht interessanteste kurzstachelige Peruvianoid, noch ohne Namen, wurde als „T. pachanoi“ verkauft (Abbildung 11). Es ist wichtig zu wissen, dass, während es aus vielen Quellen kurzstachelige Peruvianoide gibt, die stark in der Potenz schwanken, zu den meisten kommerziell erhältlichen Peruvianoiden keinerlei Wirksamkeitsversuche vorliegen. Dieser so genannte „T. pachanoi“ ist schlanker als der kurzstachelige T. peruvianus, welcher vom California Cactus Center vertrieben wird, und als viel stärker beschrieben (wie viele ähnliche, aber etwas stacheligere Kakteen, die auch an T. pachanoi erinnern) ist. Er wird hoch geschätzt von Schamanen in den USA, die San Pedro Zeremonien abhalten, und wurde von einem Teilnehmer nicht nur als sehr potent sondern auch fast schmackhaft empfunden.

Peruvianoid

Obwohl es bekannt ist, dass der Alkaloidgehalt von Kakteen stark schwankt, wurde bis dato wenig getan, um die Gründe hierfür aufzuklären. Vorläufige Forschung scheint zu zeigen, dass trotz der Möglichkeit, den Gehalt durch regelmäßige Nährstoffgabe über längere Zeit, und weniger Bewässerung ein paar Monate vor der eigentlichen Ernte zu erhöhen, die einzige wirklich wichtige vielleicht genetisch bedingte, Variable ist. Weiterhin besteht der Bedarf, spezifische Klone, welche sich in Selbstversuchen gut bewährten, mit einer Art Seriennummer oder Zuchtnamen zu versehen, um ihre Erkennung zu ermöglichen und ihre Weiterverbreitung zu erleichtern. Abgesehen von dem offensichtlichen Vorteil, dass Kaktusliebhaber Zugriff auf eine potentere Auswahl haben, ermöglicht dies, eine gemischte Trichocerei Sammlung zu haben, statt ein Feld voller vieler San Pedros und wenig anderem.

Nichts desto trotz sei zu beachten, dass die aufgeführten Bezeichnungen aus Gärtnereien stammen und spezifische Identifikationen daher nicht immer verlässlich sind. Zudem sollte erwähnt werden, dass die meisten abgebildeten Kakteen auf dieser Seite nicht psychoaktiv sind.

Wir möchten allen kommerziellen Züchtern und privaten Sammlern danken, die ihre Sammlungen und Versuchsinformationen zur Verfügung gestellt haben. Um sie zu schützen, werden wir keine Namen nennen. Jedoch glauben wir, dass es dem Kaktusliebhaber gelingen sollte, zumindest einige der hier abgebildeten Pflanzen, mit etwas Sucherei zu finden.

Alle Prozentangaben über Meskalin basieren auf dem Trockengewicht.

Bezugsquellen
Hier sind exemplarisch Bezugsquellen  aufgeführt. 
Psychoaktive Kakteen

 

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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