Acorus calamus L.

.

Psychoaktive Gewürze

Acorus calamus(Zeichnung: Franz Eugen Köhler)

.

.

Syn.: Acorus aromaticus Gilib.

Traditionelle Bezeichnungen: bachh (hind.), Calamus, Kalmus, racha (ved.), shih-ch’ang pu (chin.), sweet flag (engl.), sweet sedge(engl.) u.a.

Familie: Araceae (Aronstabgewächse)

Aussehen: 60 bis 100 cm hohe, aufrecht wachsende, Rhizome bildende Pflanze mit kolbenartiger, grünlich-gelber Blüte.

Verbreitung: Ursprünglich aus Südasien, heute weltweite Verbreitung in Sumpf- und Teichgebieten sowie stehenden Gewässern. Liebt stickstoffhaltigen Boden und sonnigen Standort.

Inhaltsstoffe: alpha-Asaron und ß-Asaron, Safrol und Eugenol in ätherischem, bakterizidem (= bakterienhemmenden) Öl.

Kulturhistorische Geschichte: Die Cree-Indianer im nordwestlichen Kanada nutzen den Kalmus zu entheogenen Zwecken. Um die Wirkstoffe aus der Wurzel zu gewinnen, wird diese gekaut. Es existieren verschiedene sogenannte Sippen innerhalb der Art Acorus calamus. Schultes et Hofmann geben an, dass die von den Cree als Halluzinogen verwendeten Acorus-Pflanzen keine Asarone enthalten. Die genutzte Sippe wird aber in jedem Fall die ebenfalls potenten psychoaktiven Verbindungen Safrol und Eugenol beherbergen. In Ägypten ist Kalmus seit Tausenden von Jahren bekannt und ein beliebtes Aphrodisiakum. In Tibet wird Acorus calamus zur geistigen Reinheit und für verbessertes Konzentrationsvermögen geräuchert.

Auch in der indischen Ayurveda ist der Kalmus als Heilmittel für seelische und körperliche Erschöpfungszustände sowie zur Verjüngung des Geistes eine wichtige Pflanze. Medizinisch ist Acorus calamus weiterhin u.a. anwendbar bei Verdauungs- und Magenproblemen.

Verwendung: Auskauen, Essen oder Trinken des bei unter 70° C getrockneten Wurzelstocks. Verwendet wird ein etwa 10 bis 25 cm langes Wurzelstück. Möchte man die Wurzel auskauen, reicht es, sie in daumendicke Teile zu zerschneiden. Soll sie jedoch gegessen oder als Kaltgetränk konsumiert werden, empfiehlt es sich, das Wurzelstück zu pulverisieren. Erhitzen des Materials, z.B. beim Aufguss bereiten, ist nicht angebracht, da es die Aktivität beeinträchtigt.

An Ratten vorgenommene Tests hatten zum Ergebnis, dass große Mengen Kalmus kanzerogen wirken können. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies beim Menschen ebenso der Fall ist.

Verschiedene Experimente an Geist und Körper von Markus Berger hatten zum Ergebnis: In geringer Dosis, etwa fünf Zentimeter pulverisierte Wurzel als Kaltgetränk erzeugte Kalmus eine leichte Stimmungserhellung und keine weiteren Effekte. Zehn Zentimeter des selben Wurzelstücks wirkten schwach entaktogen, so wie eine unglückliche MDMA-Unterdosierung. Fünfundzwanzig Zentimeter Kalmus-Wurzel erzeugen eindeutige euphorisierende, entaktogene, vom Gemütszustand fast visionäre Effekte und keine Halluzinationen.

Anmerkung: Der dem Kalmus nah verwandte Acorus gramineus besitzt ebenfalls die entheogen wirksamen Stoffe Safrol und Eugenol und ist deshalb genauso aktiv.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.