Absinth – Aus alten Büchern zitiert

Das folgende Zitat ist einem medizinischen Lehrbuch entnommen, welches in das 16te Jahrhundert datiert sein sollte (leider fehlt das Deckblatt, im Text wird jedoch auf die Erfindung der Feuerwaffe vor 200 Jahren Bezug genommen

– der Textsatz zeigt die entsprechenden Eigenarten).

Absinthium vulgare, Wermut

1. Namen:

Wermut/gemeiner oder milder Wermut/Alsen/Eis/ Absinthium Offic, vulgare, Sefurem & Bulengi (Arab)

2. Gestalt:

Gemeiner Wermut gewinnet viel höltzigte Stengel und Aeste, 2. und 3. Ellen hoch und höher.

Die Blätter gleichen dem Beyfuß, sind ganz graufarbig, zerspalten, eines würtzhafften Geruchs und sehr bittern Geschmacks.

Trägt statt der Blüte fast traubenweiß gelbe Knöpflein, worinnen der Same enthalten.

Die Wurzel ist dicke, hoeltzlich, fäsericht, doch nicht bitter sondern guten Geschmacks.

3. Ort:

Wermut wächst gerne an steinichten; bergichten und ungebauten Orten, dahero es hin und wieder öfters aber bey den alten eingefallenen Baustellen gefunden wird.

4. Zeit:

Wermut blühet im Julio und Augusto. Im Junio aber ist er in seiner besten Krafft, da es auch eingeatmet werden soll.

5. Vermehrung:

Obgleich der Wermut in Gärten, damit man sie täglich zur Hand haben möge, kan gepflanzet werden, wird sie doch hierdurch nicht verbessert, weswegen man denn diese, so von sich selber sonderlich auf den Bergen wächst, erwähnen mag.

6. Theile / Natur / Zubereitung und Nutz:

Wermut ist warm im 1. (2.) trocken im 3. Grad, eröffnet, ziehet an, zertheilet, treibt den Urin; ist ein gut Magen-Leber-Miltz- und Mutter-Kraut; treibt Würm, Gall und Schweiß. Dienet in Fiebern, Verstopfung der Leber, Miltz, Monat-Zeit. Vertreibet Gifft, Pest, Bläße, Miltz Beschwerung, Scharbock, Wasser- und Gelbe- Sucht. Aeusserlich auf die Schläffe gelegt macht es schlaffen; die Fußsohlen damit gerieben bringt es den verlohrenen Appetit wieder; Damit geräuchert stärcket es das Gehör, stillet das Sausen der Ohren und Zahnweh.

Die Blumen sind ein Schmertz-Linderungs Mittel, nützen auch gegen die Gelbe Sucht, verstopffete Monats-Zeit, gifftiger Thiere Bisse und Stiche, und wenn man gifftige Schwämme gessen. Der Same stopfft allerhand Bauchflüsse.

Das destilllirte Wasser ist gut wider das Haupt-Weh, flüssige Ohren, und schärfft das Gesicht. Der Safft macht Lust zum Essen. Der Extract lechet den Durst, widersteht dem Gifft. Das destillirte Oel vertreibt das Magenweh, Schluckn und schweres Gehör. Das Salz aus der Aschen stillet das Brechen in bösen Fiebern.

Die folgenden beiden Zitate entstammen einem Buch jüngeren Datums: „Das große Kräuterbuch“ von Dr. Ferdinand Müller in seiner zehnten Auflage von 1937 aus der Friedrich Ebnerschen Verlagsbuchhandlung.

Absinth: Ausgezeichnetes Mittel gegen Magenkrampf: Man nehme Absinthkraut 4g, wässrige Rhabarbatinktur, Pfefferminzwasser, von jedem 40g, schwefelsaures Kali (Polychrestsalz) 8g, Cascarillenextrakt, Myrrhen, versüßten Kalmus, von jedem 6dcg, Pomeranzenschalen 12g, läßt einige Tage ziehen und seiht ab. Von dieser Mixtur nehme man morgens und abends 1 Löffel voll.

Echte Wermutessenz, die gegen alle Leiden von dem besten Erfolg ist, bei denen der Wermut Anwendung findet: Man nehme 3 Hände voll frisches Wermutkraut, je 8g Pomeranzenschalen, roten Enzian, und 2g kalzinierte Pottasche, zerschneide und zerstoße alles und dirigiere es mit 1l Weingeist 43 Stunden im Sandbade, worauf man fitriert und das Klare in gut verschlossenen Flaschen aufbewahrt.

Lowers bittere Stahinfusum: Man nehme die obersten Spitzen von römischem Wermut, Tausendguldenkruat [Hypericum perforatm L.], von jedem eine Hand voll, 15g Cardobenediktensamen, 15g länglich gespaltene Enzianwurzel, 60g Stahlseilspäne und je 300g zusammengesetztes Enzianwasser und Wermutwasser, lasse alles in einer Glasflasche 14 Tage lang gut verstopft stehen, drüke es durch und bewahre es zum Gebrauche auf.

Man nimmt alle Morgen 6 Löffel und Nachmittag 5 Uhr wiederum 6 Löffel voll, faste aber darauf eine Stunde lang.

Wermutwein ist am wirksamsten, und wird daher auch am heufigsten bereitet. Er hat recht gute Heilkräfte bei allen im vorigen Artikel sowie bei „Beifuß“ aufgeführten Krankheiten und verdient alle Beachtung der Leidenden. Der in die Blüte kommende Wermut wird morgens in der Früh gebrochen, an der Luft, nicht an der Sonne, gedörrt und so bis in den Herbst rein und vor vor Staub bewahrt. In ein Eimerfass wirft man eine ganze Hand voll, darüber gießt man schön geseihten Most; zu dem Wermut wirft man eine Mulde voll Weinbeeren in das Fass. Oder, wenn man einen Eimer Wermutwein anrichten will, so tut man eine Hand voll des stärksten Wermuts, ein viertel voll Alantwurzel, eine Hand voll rote Rosen, ebenso viel Hirschzunge zusammen in ein Säckchen und hängt es in den Wein, wirft auch Hagenbuchen oder Haselstaudenspäne hinzu, die eine Nacht hindurch gewässert und an der Luft wieder gut abgetrocknet wurden, gibt aber dabei Acht, dass die Späne nicht vor den Spund zu liegen kommen. Endlich läßt man den Wein vergähren. So wird er recht und gut zum trinken.

Hierbei ist daran zu erinnern, dass man bei Weinen, die vom Most bereitet werden und mit denen man lange auskommen will, immer so viel des Abends wider von anderen Weinen nachfüllen muss, wie man tagsüber herausnimmt. Aber bei alten Weinen geht dies nicht an, denn wenn diese einmal angezapft werden, muss man damit fortfahren.

Der Kräuterwein wird ferner auf folgende Art bereitet: Man siedet Wermut oder andere Kräuter, von denen man Wein bereiten will, wie auch Gewürz nach Belieben in den Most den dritten teil ein [ein Drittel Wasser soll verdunsten; Anm

d. Red.], schäumt es beim Sieden fleißig ab, läßt es so über Nacht stehen und des Morgens durch ein Tuch oder ein enges Sieb laufen, tut den Wein in ein Fässchen und zwei oder drei mal soviel Most dazu.

Andere bereiten die Wermut und Kräuterweine auf nachstehende Weise: Sie tun frischen oder gedörrten Wermut in ein Säcklein, gießen Wein warm oder kalt durch, und zwar so lange, bis er den Geschmack annimmt. Dann tun sie Zucker hinein, so viel nötig ist, oder sie hängen das gedörrte Kraut in einem langen, schmalen Säcklein in den Most, bis er den Geschmack anzieht.

Wenn man unter alle dergleichen im Herbst bereiteten Kräuterweine eine Mulde voll ganzer oder abgebeerter guter Weintrauben mengt, das Fässchen verspundet, doch so, dass ein mit einem hölzernen Zäpfchen nicht allzu fest zugestecktes Dampfloch darin bleibt, und läßt den Most von selbst gären, so wird er lieblicher und besser. Man kann ihm auch mit allerlei guten Gewürzen einen edlen Geschmack geben. Oder wer guten Wein nimmt und ein wenig Wermutessenz oder Wermutsaft dazugießt, der kann den Wermutwein sich kannenweise schnell und gut bereiten.

Wird alle Morgen davon genommen, so ist er das beste Mittel gegen Appetitlosigkeit und Wiederwillen gegen Speisen. Den Wermutsaft macht man allso:

Je eine gute Hand voll Wermut, Cardobenedikten, Tausendguldenkraut, gedörrt, dreißig Gramm frische Alantwurzel, eine gute Pommeranze, alles klein zerschnitten und in ein weites Glas oder einen glasierten Krug getan und eine Kanne Branntwein hineingegossen, gut verschlossen und vier Wochen im Keller stehen gelassen, dann durch ein sauberes Tuch geseiht und aufbehalten, bleibt übers Jahr gut. Wenn man aber den Wermutsaft zum Wein vermischt haben will, muss man die dürren Wermutknöpflein in ein Glas tun, dass es halb voll davon wird, hernach mit sapnischem Wein anfüllen und so im Keller stehen lassen.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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