5. Gattung Conocybe Samthäubchen

Conocybe-Arten sind kleine bis winzige Pilze, sehr leicht zerbrechlich und vergänglich. Etwa 55 Spezies sind in Europa bekannt, die Abgrenzung bereitet oft große Schwierigkeiten. Sie wachsen auf Dung, Grasresten, Moos und auf verrottenden Holzspänen. Eine aus den 50er Jahren in Mexiko ebenfalls als Zauberpilz beschriebene Art Conocybe siligineodes HEIM von Holzresten, konnte nie wieder gefunden werden und ist daher umstritten. Nur sehr wenige Mykologen beschäftigen sich mit der unattraktiven Gattung.

5.1 Conocybe cyanopus (ATKINSON) KÜHNER Blaufüssiges Samthäubchen

Conocybe cyanopus

Die Pilze wurden 1918 erstmalig von Ithaca (New York) beschrieben und um 1930 in Deutschland nachgewiesen. Ursprünglich im Sommer und Herbst von Grasflächen und Moos beschrieben, konnten jetzt auch Aufsammlungen aus dem Saarland im Mai auf Holzresten untersucht werden (Montag 2001), was interessante Parallelen zu Conocybe siligineodes schafft. Durch die allerdings nur langsame Blauung der Stielbasis ist der Pilz in Europa von den anderen Arten abzugrenzen. Dabei müssen die Pilze in einem geschlossenen Gefäß feucht gehalten werden, damit sie durch ihr kleines Volumen bei höheren Temperaturen nicht vor Eintreten der Blauung eintrocknen können.

Beschreibung:

Hut: 0,1 bis 2,5 cm, erst glockig, später flach kegelig bis ausgebreitet, zuletzt verflachend, goldocker, anfangs auch goldbraun, alt grauocker, Rand fast bis zur Scheibe gerieft, ohne Velumreste.

Lamellen: Goldocker, normal weit, ziemlich breit, dünn.

Stiel: 2 bis 4 x 0,1 bis 0,14 cm, gebrechlich, ohne Ring, oben fein silbrig, zuerst weißlich, dann gelblich-silbrig, Stielbasis meist knollig verdickt, bei Verletzung und im Alter an der Stielbasis

langsam blauend.

Fleisch: Dünn, unter dem Hutscheitel bräunlich, im Stiel reinweiß.

Geruch: Besonders gequetscht auffallend leuchtgasartig.

Der Pilz gilt allgemein als sehr selten. So wurden in Deutschland in 50 Jahren nur zwei Aufsammlungen gemacht, wahrscheinlich wurde aber auch kaum von Mykologen nach dem winzigen Pilz gesucht. Neuere Funde zeigen aber ein lokal recht üppiges und über mehrere Jahre zuverlässiges Wachstum auf Holzresten (Montag 2000).

Die kleine Pilzart ist stark psychoaktiv. Eigene Untersuchungen (J.G.) einer Aufsammlung von Potsdam 1989, zeigte ähnliche Werte wie Psilocybe semilanceata (Gartz 1991; 1999):

Tabelle 12: Alkaloidgehalt von Conocybe cyanopus (% der Trockenmasse)

Eine weitere, ähnliche Art, Conocybe smithii Watling, wurde nur aus Amerika beschrieben (Stamets 1999). Über eine kaum erwähnte Conocybe kuehneriana Singer aus Europa ist nichts konkretes bekannt, selbst wochenlange eigene (M.B.) Recherchen in Bibliotheken, Internet und im Kollegenkreis brachten keine Ergebnisse, so dass wir diese, von Stamets (1999) für Europa angegebene Art hier nicht mit einbeziehen.

Conocybe smithii

Conocybe-Arten sind ebenfalls mit den oft tödlichen Galerina(Häubling-) Spezies verwechselbar, welche Amatoxine enthalten (Gartz 1999; 2002b). Eine dieser Arten, die (wahrscheinlich) einmal aus den Tropen in ein Gewächshaus nach Deutschland eingeschleppt wurde, enthielt ebenfalls Psilocybin (Besl 1993).

Untersuchungen von J.G. quantifizierten den Gehalt an Alkaloiden in dieser Galerina steglichii Besl (Gartz 2003), die aber keine Möglichkeit zur Freilandausbreitung hat und daher hier nicht als europäischer Pilz benannt wird. Trotzdem und weil Galerina steglichii die bislang einzige bekannte Psilocybin bildende Art der Gattung ist, möchte ich (M.B) an dieser Stelle die Untersuchungsergebnisse von J.G. wiedergeben: Getrocknete Fruchtkörper der Galerina steglichii enthielten 0,21 bis 0,51 % Psilocybin, 0,08 bis 0,21 % Psilocin und 0,02 bis 0,07 % Baeocystin (Gartz 1995: 304).

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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