Psilocybe cubensis, Geschichte

Traditionelle Einnahme

In der Literatur wurde erstmal über halluzinogene Pilze von Spaniern nach der mexikanischen Eroberung berichtet. Die Indianer Zentral-Mexikos haben bis in dieses Jahrhundert Pilze für Zeremonien verwendet. Diese besonderen Anlässe dienten spirituellen Zwecken aber auch Weissagungen über das Schicksal von Kranken. Die Heilung der Kranken findet während

„eines Rituals namens ‚velada’ (statt), was soviel wie Nachtwache heißt. Dabei treffen sich alle beteiligten „im Haus einer Schamanin oder eines Schamanen, wobei die Teilnehmer die meiste Zeit im Kreis sitzen. Nach Weihrauch, Opfergaben und Gebeten werden den Teilnehmern die Pilze gereicht, die paarweise unter Gebeten verzehrt werden. Nun stimmt die Shamanin eine Reihe von Gesängen an, die ihr und der Gruppe ermöglichen, in Trance zu verfallen und das psychedilische Universum des entheogenen Pilzes zu erkunden“ (Rätsch. 2007).

Laut Schultes und Hofmann (1980) überlebten Berichte über die zeremonielle Einnahme von halluzinogenen Pilzen wie z.B. die Texte von Sahagún (1829-1830, es wurde 3 Jahrhunderte nach seiner Abfassung veröffentlicht). Sahagún war ein Franziskanermissionar und er schrieb das erste Mal 1529 und 1590 in dem Geschichtswerk ‚Historia General de las Cosas de Nueva Espana’ über die Pilze.

Dort wurde von „kleinen Pilzen namens ‚Teonanácatl’ berichtet, was soviel wie „Fleisch der Götter“ bedeutete und welche auf Grasland wachsen und eine Art Rausch hervorrufen der vergleichbar mit dem Konsum von Wein ist“ (Badham, 1983). In dieser Schrift wird der Begriff ‚Nanácatl’ allgemein für Pilze verwendet, wohingegen der Begriff ‚Teonanácatl’ für den rauschverursachenden Pilz verwendet wird, welcher während Zeremonien eingenommen wird. Es wurde auch berichtet, dass „das erste was während eines Festessens zu sich genommen wurde kleine Pilze namens ‚Nanácatl’ waren, welche Visionen hervorrufen…“. Der Leibarzt des spanischen Königs berichtete von ‚Teonanácatl’ als „berauschende Art“ von Pilzen (Hernández, 1651). Außerhalb Mexikos war die rituelle Einnahme von berauschenden Pilzen nahezu unbekannt, obwohl ‚Teonanácatl’ in zahlreichen frühen Texten erwähnt wurde (Wasson, 1962).

1939 sammelte Schultes Proben der während Zeremonien verwendeten Pilze und erbrachte somit den Beweis, dass ‚Teonanácatl’ zu der Spezies der Basidiomyceten gehört, welche halluzinogene Eigenschaften besitzen. Seinem Beweis folgten weitere, welche die Verwendung von halluzinogenen Pilzen während Riten im alten Mexiko belegen. Diese Riten wurden von R. Gordon Wasson (1957) beschrieben, welcher zusammen mit seiner Ehefrau Valentina Wasson mehrere Expeditionen in die abgelegenen Gebiete Mexikos machte und als erste Westler aktiv an Pilz-Zeremonie teilnahmen, und anschließend zum ersten Mal die amerikanische Bevölkerung auf die Verwendung von halluzinogenen Pilzen in Mexiko aufmerksam machten. R. Gordon Wasson (1898-1986), ein amerikanischer Bankier, gründete die Wissenschaft über den Einfluss von Pilzen auf die kulturelle Entwicklung, was auch gemeinhin als Ethnomykologie bekannt ist. Den größten Einfluss schienen die halluzinogenen Pilze gehabt zu haben, die die Alkaloide Psilocybin und Psilocin enthalten. Zudem gelang es auch die von den Wassons gesammelten Pilze zu klassifizieren. Die Pilze gehörten zu der Gattung Psilocybe (6 Arten), Stropharia (1 Art), und Conocybe (1 Art) (Heim, 1956).

Einnahme heute

Heutzutage werden psilocybinhaltige Pilze für ganz verschiedene Zwecke eingenommen. Eul und Harrach schrieben z.B.: ‚Immer mehr drogenexperimentierfreudige Menschen entdecken auf der Suche nach fundamentalen Erkenntnissen ihre verborgenen Wünsche nach spirituellen Erleben und dem „Einsein mit der kosmischen Ewigkeit“ in einer „entzauberten“, immer kälter werden rationalen und materiellen Welt‘. Sie gaben an, dass die Einnahme von psychedelischen Drogen wie Psilocybin diese Wünsche befriedigten . In der Technoszene ist der Konsum von vorwiegend LSD aber auch Psilocybin sehr populär, da ein sehr intensives Körpergefühl in Zusammenhang mit der Musik und den Lichtverhältnissen erzeugt wird. In Anlehnung an die traditionellen Rituale aus Mexiko und Südamerika werden auch neuerdings Pilzrituale in Europa abgehalten, bei denen in einer Gruppe von ca. 10 Leuten zusammen Pilze konsumiert werden und eine Stunde nach Einnahme ein Stock herum gereicht wird. Wer diesen Stock hält, muss seinen gegenwärtigen Zustand beschreiben und die anderen hören zu. Nachdem der Rausch abgeklungen ist wird in der Gruppe das Erlebte aufgearbeitet indem über die Erfahrungen diskutiert werden.

Verwendung in der Medizin

Psilocybe wurde über Jahrhunderte von Heilern mancher mesoamerikanischen Gruppen benutzt, um den Ursprung von Krankheiten vorauszusagen oder zur psychologischen Beratung verwendet. In den frühen 60er Jahren wurde reines Psilocybin zu wissen schaftlichen Zwecken verwendet. Es fand breite Anwedung in Psychoanalyse und Psychotherapie und zeigte in Studien dass ein regelmäßiger Konsum Depressionen und Agressionen abbaut als auch die soziale Verantwortung fördert (Eul und Harrach). In der Psychoanalyse als auch in der Psychotherapie fand die Anwendung von Psilocybin großen Zuspruch, da ein traumartiger Erlebniszustand kreiert wird, ohne dass dabei das Bewusstsein getrübt oder das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt wird. Der Ansatz hierbei ist, dass Ereignisse die tief im Unterbewusstsein liegen an die Oberfläche geholt werden und dann systematisch verarbeitet werden können. Eine Besserung des Zustandes nach Psilocybinkonsum konnte aber nur in Verbindung mit einer professionellen psychologischen Einbindung beobachtet werden; diese ist daher nicht nur auf die pharmakologische Psilocybinwirkung zurück zu führen, sondern vielmehr der professionelle Verarbeitung der zutage geförderten Ereignisse durch einen geschulten Psychologen zu zuschreiben. Wichtig war es auch den Rahmen richtig zu wählen; so war die Therapie erfolgreicher wenn der Patient sich gut aufgehoben fühlt und alles einen professionellen Eindruck machte. der Nachdem Psilocybin und LSD weltweit verboten wurde, fanden auch die medizinischen Anwendungen ein jähes Ende.

Psilocybin kann sich auch positiv auf Migräne, genauer den Cluster-Kopfschmerz (die schmerzhafteste und langanhaltenste Kopfschmerzart), auswirken. Durch Zufall wurde dies von einem 31 Jahre alten Mann, bei dem im Alter von 16 Jahren Cluster-Kopfschmerzen diagnostiziert hat. Er meinte, dass seine Kopfschmerzen komplett verschwunden waren, nachdem er mit 24 begonnen hatte privat LSD einzunehmen. Als er im Alter von 25 Jahren damit wieder aufhörte, seien die Kopfschmerzen zurück gekehrt. Danach hat er seine Kopfschmerzen eigenverantwortlich mit der Einnahme von Psilocybin in Form von frischen Pilzen behandelt. Bei einer einmaligen Einnahme alle 3 Monate hat er einen anhaltenden Rückgang der Kopfschmerzen erzielt, wohingegen die Kopfschmerzen zurück kamen wenn er mal den Einnahmetermin verpasst hat. Nachdem dieser Mann seine Erfolge einem Krankenhaus meldete, wurde eine Studie mit 53 Probanten verschiedener Nationen und Hintergründen begonnen, die ebenfalls ihr Kopfschmerzen mit LSD oder Psilocybin behandelten. Nach deren Befragung fand man heraus, dass egal ob mit Psilocybin oder LSD die Kopfschmerzen sehr viel weniger wurden oder gar ganz verschwanden. Diese Studie darf man allerdings nicht als vollwertig ansehen, da keine Blindproben (keine Placebos) verteilt wurden, keine Kontrolle stattfand, und die Wirkung von den Probanten selbst, also sehr subjektiv, beschrieben wurde. Allerdings lässt sie Hoffen, denn bis jetzt ist noch kein Wirkstoff bekannt, der Cluster-Kopfschmerzen so effektiv und nachhaltig behandeln kann (Sewell et al., 2006).

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