4. Gattung Inocybe Risspilz

Im Gegensatz zu allen anderen, hier vorgestellten, Pilzen besteht bei den verschiedenen Arten der Gattung Inocybe eine Mykorrhiza (= symbiotische Partenerschaft) zu Bäumen (Gartz 1999), die in manchen Publikationen leider nicht erwähnt wird

(z.B. Stamets 1999). Diese Symbiose läuft über einen noch weitgehend unbekannten Austausch von Mineral-, Nähr- und Wuchsstoffen, wobei sich an den Baumwurzeln feine Pilzmycelien befinden. Inocybe-Arten sind dadurch auch nicht in-vitro im Labor als Pilz züchtbar. Die meist braunen Fruchtkörper sind oft – selbst von Mykologen nur sehr schlecht zu differenzieren. Auf eine mögliche Verwechslungsgefahr, auch der hier beschriebenen Arten, wird ausdrücklich hingewiesen. Die Hüte reißen oft schon sehr zeitig längs auf. Bis vor 20 Jahren war als charakteristisches Gift nur das Muscarin bekannt, das immerhin in ca. 40 Arten (von etwa 150 in Europa) nachgewiesen werden konnte.

4.1 Inocybe aeruginascens BABOS Grünlichverfärbender Risspilz

Inocybe aeruginascens

1968 wurden in Budapest erstmalig Funde als Inocybe aeruginascens beschrieben, die dann 1975 auch in Berlin gefunden wurde. Dann traten Verwechslungen mit Speisepilzen auf, die typischen Wirkungen führten schnell zum eigenen (J.G., 1984) ersten Nachweis von Psilocybin in den Pilzen (Gartz 1999; 2003).

Die Menge an Alkaloiden war relativ konstant, selbst bei Pilzen von differenten Standorten und nie konnte zusätzlich Muscarin nachgewiesen werden.

Tabelle 9: Akzidentielle Intoxikationen durch Inocybe aeruginascens in Ostdeutschland

Folgende Beschreibung aus dem Jahre 1986 ist für die Art charakteristisch (Gartz 1999; 2003):

Hut: 2 bis 3 cm, trocken, mittelbräunlich, nach dem Rand zu radialfaserig, im Jugendstadium stumpfkegelig, dann ausgebreitet, in der Mitte gebuckelt, spitz zulaufend, Rand nicht selten etwas eingebogen, Farbe des Buckels etwas dunkler, mitunter etwas oliv- bis blaugrünlich gefärbt.

Lamellen: Zuerst im Jugendstadium hell, später ton-, oliv- bis tabakbraun, normal dichtstehend.

Stiel: 3 bis 4,5 cm, 2 bis 5 mm Durchmesser, zur Spitze hin etwas verbreitet, seidig gestreift, nur an der Spitze bereift, Basis knollig, jung weißlich, am Standort bald vom Steilgrund her, bis etwa zum Mittelteil außen, mehr oder weniger deutlich blaugrün verfärbend, nach dem Längsschnitt durch den Fruchtkörper verfärbt sich auch das Fleisch in diesem Bereich ebenfalls blaugrün.

Sporen: 7 bis 9 (12) x 4,5 bis 5,5 μm, glattwandig, etwas elliptisch. Zystidon: 46 bis 60, 21 bis 25 μm, auffällig dickwandig und dickbauchig mit Kristallschopf.

Tabelle 10: Psilocybin in Inocybe aeruginascens verschiedener Lokalität

 

Neben Deutschland, Ungarn und einmal in der Schweiz, sollte die Verbreitung in Europa auf Sand unter Laubbäumen weit größer sein.

Tabelle 11: Gehalt einzelner Trockenpilze an Psilocybin und Baeocystin

 

4.2 Inocybe haemacta (B. et COOKE) SACC. Grünroter Risspilz

Inocybe haemacta

Die Pilzart ist im Gegensatz zu Literaturangaben (Stamets 1999) sehr selten in Europa (Montag 2001). Sie wurde 1882 erstmalig aus England beschrieben. Im Gegensatz zu Inocybe aeruginascens ist sie durch eine fehlende Stielknolle, durch Rötung des Fleisches, bitteren Geschmack, keine ausgeprägte blau bis blaugrüne Verfärbung bei Druck auf die Stiele sowie einen markanten Geruch gekennzeichnet. Die Geruchsbeschreibung differiert von fruchtartig bis unangenehm urinartig, nach Pferdestall, je nach Autor, so dass Zweifel aufkommen, ob die gleiche Art gefunden wurde. An vielen Hundert Pilzen der Inocybe aeruginascens haben J.G. und G. Drewitz nie einen besonderen Geruch gefunden, die angegebene „unangenehm seifige Tönung“ kann nur der Phantasie des amerikanischen Autors entsprungen sein (Stamets 1999).

Inocybe haemacta scheint generell weniger Alkalkoide zu enthalten, als Inocybe aeruginascens, was vielleicht auch das Fehlen der Blauung bei Druck auf den Stiel erklärt. Eine Analyse fand 0,17 % Psilocybin, neben 0,034 % Baeocystin (Stijve 1985). Die Pilze benötigen auch keine Holzreste im Boden (Stamets 1999), sondern sind Mykorrhiza-Pilze auf Sandböden, ohne eine spezielle Bindung an bestimmte Baumarten.

Beschreibung:

Hut: 2 bis 4 cm, kompakt, festfleischig, anfangs halbrund oder kegelig, später flachkegelig ausgebreitet, manchmal mit schwachem, dumpfem Buckel, fein schuppige Hutfasern, bräunlich bis schmutzig ockerfarben, oft mit Grünstich.

Lamellen: Anfangs graucreme, später olivgrau braun mit weißen Schneiden, gedrängt bis normal breit, ausgebuchtet, angeheftet. Fleisch: Weiß, bei Berührung oder Durchschneiden rötlich werdend.

Stiel: Bis 5 cm x 0,6 cm Durchmesser, fest, kompakt, manchmal verbogen, weiß, von der Basis bald grünlich verfärbt, ohne Knolle, fein befasert, nicht bereift.

Sporen: Mandelförmig 8,0 bis 10,2 x 6,0 bis 6,8 μm.

4.3 Inocybe corydalina Quelet, Inocybe tricolor Kühner und Inocybe coelestium Kuyper

Inocybe corydalina

Diese Pilzarten sind sehr selten und durch einen äußerst niedrigen Alkaloidgehalt gekennzeichnet. Die Abgrenzung von Inocybe coelestium von anderen Arten ist ohnehin umstritten und unklar. Diese enthielt nur bis zu 0,035 % Psilocybin, Inocybe corydalina lediglich 0,011 bis 0,1 %. Durch diese praktische Irrelevanz und problematische Abgrenzung sei hier ausschließlich auf weitere Literatur (Stamets 1999; Stijve et al. 1985) verwiesen.

 

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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