3. Gattung Gymnopilus Flämmling

Zur Gattung Gymnopilus gehören Arten, die gelbbis rostorange Sporen bilden, trockene Hüte haben, mittelgroß bis groß sind und saprophytisch (= auf oder von toten Stoffen lebend) vorwiegend Holzsubstrate verwerten.

Während bereits im Oktober 1942 in den USA Verwechslungen mit dem essbaren Hallimasch vorkamen, wurden entsprechende Ereignisse aus Europa nicht beschrieben. So wurden dann auch von dort nach 1970 Nachweise des Psilocybins in Pilz-arten beschrieben, die in Europa nicht vorkommen (Gartz 1999). Mehrere eigene (J.G.) Aufenthalte im Nordwesten der USA und Kanadas brachten ohnehin die Erkenntnis, dass scheinbar dort wachsende, auch aus Europa bekannte Arten, in Wirklichkeit eigene Spezies sind, was auch ein Zeichen für die Schwierigkeit und Mehrdeutigkeit der Beschreibung von Spezies ist (vgl. auch Gartz 1999).

3.1 Gymnopilus purpuratus (COOKE & MASSEE) SINGER Purpur-Flämmling

Abb. 8: Gymnopilus purpuratus auf Sägespänen

Im Mai 1887 wurde der Pilz interessanterweise ebenfalls in den Botanischen Gärten von Kew an einem Baumfarnstamm erstmalig in Europa entdeckt und benannt. Erst später zeigte sich, dass die Art ursprünglich in Australien, Argentinien und Chile beheimatet ist. 1983 tauchten die Pilze erneut in Europa auf, nun auf Halden von Kompost, der aus Sägespänen und Schweinegülle resultierte. Die an der Ostsee gelegenen Halden erhitzten sich im Inneren spontan und ermöglichten das Wachstum dieser und weiterer wärmeliebender Arten aus Übersee (Gartz 1999).

In Abbildung 8 ist das massenhafte, büschelige Wachstum der Art gut zu erkennen (Gartz 1998; 1999).

Die Pilzart wird hier erwähnt, da sie trotz ihrer Herkunft aus warmen Regionen der Südhalbkugel auch nach kalten Wintern in Europa wieder Pilze ausgebildet hat. Somit ist eine zukünftige Adaption an das europäische Klima zu erwarten. Im Gegensatz zu den oft sehr bitteren Arten der Gattung haben die Pilze keinen besonderen Geschmack. Die folgende Beschreibung ist charakteristisch (Gartz 1999): Hut: 15 bis 42 cm breit, Übergrößen bis 20 cm Durchmesser wurden vereinzelt beobachtet, dünnfleischig, flach gewölbt, ungebuckelt, gleichmäßige Besetzung mit purpur- bis weinroten spitzen Schuppen auf gelbem Grund, trocken, Rand erst eingerollt, später eingebogen, mitunter blaufleckig. Lamellen: Schmal gedrängt, schwach ausgebuchtet, goldgelb, später durch Sporenreifung rostgelb, Schneide gleichfarben, ganzrandig, bauchig und kahl. Stiel: Nicht hohl, 6 bis 10 mm x 30 bis 80 mm, ausnahmsweise bis 15 mm Höhe, zylindrisch bis schwach keulenförmig, mittelbraun grob faserig gestreift, unterer Stielteil und Basis graublau bis grünlich bei Druck oder im Alter verfärbend, einzeln oder in Gruppen bis zu 22 Pilzen wachsend.

Cortina: Schwefelgelb, am Hutrand fast häutig, an der Stielspitze filzig, jedoch keine Ausbildung eines eigentlichen Ringes, mit zunehmendem Alter verschwindend.

Basidien: ca. 35 μm lang, keulenförmig

Basidiosporen: Mit einem Öltropfen, 6 bis 12,5 x 4,3 bis 7,3 μm, ellipsoid bis mandelförmig.

Die Pilzart ist vom Aussehen her außergewöhnlich, keine hier beschriebene Art zeigt so einen Farbreichtum und charakteristischen Wechsel: Ein zuerst rein weißes Mycel wird mit zunehmendem Alter bläulich grau. Dann bilden sich gelbe Knötchen, die schnell zu einem winzigen gelben Hut und Stiel differenzieren. Die resultierenden Pilze haben einen gelben Stiel, auf dem gelben Hut wachsen tiefrote Schuppen. Schließlich werden die Lamellen bei der Sporenreifung orangerostbraun. Die abfallenden Sporen kleben auch an der oberen Stielhälfte und ergeben einen Farbkontrast, welcher durch die Blauung der unteren Hälfte nach Druck ergänzt wird.

Tabelle 8: Psilocybin und seine Derivate in getrockneten Pilzen der Gymnopilus pupuratus (%), Aufsammlung 1998

Nachdem eine qualitative Analyse den Psilocybingehalt der Fruchtkörper 1988 festgestellt hat, ergab eine erste eigene, von J.G. durchgeführte, qualitative Untersuchung die in Tabelle 8 ersichtlichen Werte (Gartz 1991; 1999). Stamets (1999) postulierte kühn, dass die typischen amerikanischen Arten Gymnopilus aeruginosus (Peck) Singer und Gymnopilus validipes (Peck) Hesler auch in Europa anzutreffen seien. Es gibt über diese psilocybinhaltigen Spezies aber keine ernsthaften und eindeutigen Originalliteraturstellen von Europa, geschweige denn, eindeutige Analysen von europäischen Aufsammlungen. So kann hier nur Gymnopilus pupuratus, allerdings nur als eingeschleppte Art, für Europa angegeben werden.

 

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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