12 Punkte, die in einem legalen Anbaubetrieb zu beachten sind

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James Burton hat als Erster in den Niederlanden einen legalen, professionellen Anbaubetrieb für medizinisches Cannabis gegründet. In den frühen Neunzigern hat sein Betrieb, die Stiftung (wörtl. „Charity”) Institute of Medical Marijuana (SIMM), medizinisches Cannabis an die niederländische Regierung sowie an die unabhängige Forschungsorganisation TNO, an mehrere Universitäten, Krankenhäuser und an pharmazeutische Unternehmen verkauft.

James Burton hat Maßstäbe gesetzt, an der sich heute ähnliche Programme auf der ganzen Welt orientieren. Doch nachdem Burton die niederländische Regierung im Jahr 2005 öffentlich kritisiert hatte, wurde ihm seine Lizenz entzogen. Während SIMM medizinisches Cannabis für nur 53 Cent pro Gramm liefern konnte, um es so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen, sorgte die Preistreiberei der Regierung für einen geradezu absurd hohen Preis.

2015 hat Uruguay Anbaubetriebe gegründet, die von der Regierung kontrolliert werden. Auch in Colorado, Washington, Alaska und Oregon entstehen immer mehr professionelle Anbaubetriebe. In den Niederlanden wollen mehrere Stadtverwaltungen ebenfalls ihren eigenen Cannabisanbau starten, um dem organisierten Verbrechen einen Riegel vorzuschieben und um Qualitätskontrollen für Cannabislieferungen einzuführen.

Aber wie gründet man einen guten, professionellen Anbaubetrieb, der nur das allerbeste (medizinische) Cannabis produziert? Wenn sich hier jemand auskennt, dann ist es James Burton, und im Sensi Seeds-Blog lüftet er seine Geheimnisse.

1. SICHERHEIT

Meiner Meinung nach ist Sicherheit einer der wichtigsten Punkte beim Cannabisanbau. Damit meine ich, dass die Sicherheit sowohl außerhalb als auch innerhalb der Betriebsgebäude gewährleistet sein muss. Leider habe ich festgestellt, dass Angestellte ebenso viel stehlen können wie ein Einbrecher. Es müssen also sieben Tage die Woche rund um die Uhr Mitarbeiter anwesend sein, um die Sicherheit zu gewährleisten, da es zu lange dauert, bis ein privater Sicherheitsdienst bzw. die Polizei eingetroffen ist. Für diese Rund um die Uhr-Sicherheit kann man sorgen, indem man die Cannabispflanzen in Nachtschichten von den Angestellten trimmen lässt.

Zudem sollten sichtbare und versteckte Kameras im gesamten Gebäude und im Gelände in dessen Umgebung angebracht werden. Und ein rund um das Gebäude installiertes Sensorkabel warnt Sie vor Einbrechern oder Angestellten, die Cannabis zu ihren Autos mitnehmen. Außerdem brauchen Sie ein Hightech-Sicherheitssystem, das automatisch die Polizei, Ihr Sicherheitsteam und Sie selbst alarmiert.

Die Polizei sollte über den Anbaubetrieb Bescheid wissen. Ausgewählte Mitarbeiter sollten Ihre Sicherheitskameras aus der Entfernung über eine Website überwachen können. Darüber hinaus sollten Deutsche Schäferhunde in der Umgebung des Gebäudes patrouillieren, um Einbrecher abzuschrecken.

Wachhunde

Auch die Angestellten müssen aufgefordert werden, einen gesonderten Raum zum Wechseln Ihrer Kleidung sowie eine Cafeteria für Pausen zu benutzen. Keine Taschen/Packungen, Jacken, Speisen, Getränke oder Handys dürfen in die Anbau- oder Produktionsbereiche mitgenommen werden.

Ferner sollte es ein Gästebuch geben, in dem sich alle Besucher und Lieferanten, die den Betrieb betreten, an- und abmelden müssen.

Schließlich sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Ihr Anbaubetrieb der Gefahr aller möglichen Einbrüche ausgesetzt ist, da er der Öffentlichkeit bekannt ist. Das bedeutet, dass nicht nur Berufsverbrecher versuchen könnten einzubrechen, sondern auch Gelegenheitstäter oder sogar Gruppen von Jugendlichen.

2. PERSONAL UND AUSBILDUNG

Es ist äußerst wichtig, dass Sie das geeignete Personal auswählen. Mangelhaft qualifiziertes Personal kann durch falsche Pflege, Ernte und Trimmen der Pflanzen sowie durch unzureichende Qualitätskontrollen und durch Schädigungen der Umwelt und der Pflanzen empfindliche Verluste verursachen. Fehler von Mitarbeitern können ganze Ernten vernichten. Und ungeschulte Trimmer können Cannabis kiloweise unbrauchbar machen.

Ein guter Betriebsführer ist von ausschlaggebender Bedeutung, denn er hat eine sehr wichtige Aufgabe zu erfüllen. Er sorgt beispielsweise dafür, dass die Vorschriften und SOPs (Standard Operating Procedures = Standardisierte Arbeitsabläufe) befolgt werden. Überdies achtet er darauf, dass der Ausschuss auf ein Minimum begrenzt wird. Er sollte außerdem sicherstellen, dass das Personal angemessen ausgebildet und überwacht wird und dass die Personalakten korrekt geführt werden.

Alle primären und sekundären Arbeitsprozesse sollten den nationalen Richtlinien für Lebensmittelhygiene vollständig entsprechen, und es muss sichergestellt sein, dass das mit der Verarbeitung des Cannabis betraute Personal für ein hohes Maß an persönlicher Hygiene sorgt. Diese Mitarbeiter sollten angemessen ausgebildet werden, um ihre Pflichten in Bezug auf Hygiene erfüllen zu können.

Darüber hinaus sollten angenehme Arbeitsbedingungen bei dem Personal gewährleistet sein, das am Anbau und der Verarbeitung der Pflanzen beteiligt ist. Besondere Aufmerksamkeit sollte hierbei der Entlüftung der Dämpfe in den Maniküre-Bereichen geschenkt werden.

Das Personal muss vor dem Kontakt mit der Pflanze geschützt werden, und zwar durch angemessene Schutzkleidung und -handschuhe sowie durch Haarnetze und Schutzhüllen für Schuhe.

Mitarbeiter, die unter bekannten ansteckenden, durch Speisen übertragbare Krankheiten leiden oder selbst Überträger solcher Krankheiten sind (einschließlich Durchfall), müssen vorschriftsgemäß vom Betreten der oder Arbeiten in den Bereichen ausgeschlossen werden, in denen sie mit Cannabis in Berührung kommen.

In diesem Cannabis News Network Spezial äußert sich James Burton zur turbulenten Geschichte des Medizinalhanf in den Niederlanden.

Auch Mitarbeitern mit offenen Wunden, Entzündungen und Hautinfektionen sollte es nicht gestattet werden, in Bereichen, in denen die Pflanzen verarbeitet werden, zu arbeiten oder diese zu betreten, oder sie müssen angemessene Schutzkleidung/-handschuhe tragen, bis sie wieder ganz gesund sind.

Außerdem sollte das Personal eine adäquate botanische Ausbildung erhalten, bevor es Aufgaben durchführt, die entsprechende Kenntnisse erfordern. Trimmer müssen gut ausgebildet und überwacht werden, um die Verluste an Pflanzenmaterial so gering wie möglich zu halten und um die Verunreinigung des Materials zu verhindern.

Die Erntemitarbeiter müssen ebenfalls über ausreichende Kenntnisse der Pflanze verfügen, die sie verarbeiten sollen. Dies beinhaltet Identifikation, Erkennung der Merkmale und Rückverfolgbarkeit aller verarbeiteten Cannabispflanzen sowie die Kenntnis der Betriebsvorschriften und -kontrollen.

Es ist zu empfehlen, alle Mitarbeiter, die mit Cannabis umgehen, ebenso wie diejenigen, die an seiner Produktion in Bezug auf Anbautechniken mitarbeiten, ausreichend zu schulen – einschließlich der korrekten Bedienung der Geräte und der Anwendung der SOPs -, indem aktuelle Videos dieser Aufgaben gezeigt werden.

Das Personal kann mit kurzen Videos geschult werden, um sich mit den SOPs, GAPs (General Agricultural Practices = Allgemeine Landwirtschaftliche Techniken) und GMPs (General Manufacturing Practices = Allgemeine Produktionstechniken) vertraut zu machen.

3. GEBÄUDE UND EINRICHTUNGEN

Bei der Wahl des geeigneten Gebäudes müssen sowohl die Lage als auch die Luftqualität berücksichtigt werden. Die Luftqualität kann beispielsweise beeinträchtigt sein, wenn das Gebäude zu nahe an einer Autobahn oder an einer Schifffahrtsstraße liegt. Oder Düngemitteldämpfe von spritzenden Bauern in der Nachbarschaft können die Qualität in Mitleidenschaft ziehen. Am besten messen Sie die Luftqualität.

Hierbei müssen Sie die Geruchsbelästigung beachten. Diese ist bei Tausenden von Pflanzen allerdings nur schwer zu beseitigen. Filtersysteme und Luftreinigungsgeräte sind teuer, verbrauchen eine Menge Strom und erfordern eine aufwändige Instandhaltung.

Außerdem habe ich festgestellt, dass die Lage eines Betriebes unmöglich geheim gehalten werden kann, wenn man 20 oder mehr Mitarbeiter beschäftigt. Überdies gibt es ein ständiges Kommen und Gehen von Lieferanten und Subunternehmern.

Gebäude für den Anbau und die Verarbeitung des geernteten Cannabis müssen sauber und gründlich durchlüftet sein und dürfen niemals zur Unterbringung von Vieh verwendet werden.

Zudem müssen die Gebäude, in denen Cannabis angebaut und geerntet wird, den Pflanzen ausreichenden Schutz vor Vögeln, Insekten, Nage- und Haustieren bieten. In allen Lager- und Verarbeitungsbereichen müssen geeignete Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen wie Köder und elektrische Insektentötungsgeräte eingesetzt und von qualifiziertem Personal oder Subunternehmern bedient werden. Verpacktes Cannabis sollte in einem abgeschlossenen Speicher gelagert werden.

Gebäude, in denen die Pflanzen verarbeitet werden, müssen den nationalen Vorschriften entsprechend über Garderobenräume sowie über Toiletten und Waschbecken verfügen. Sie benötigen auch ein Toiletten-Alarmsystem; jeder Mitarbeiter muss also eine Toilettenmarke tragen, um sicherzustellen, dass er nach dem Besuch der Toilette seine Hände gewaschen hat. Sie können sich nicht vorstellen, wie oft ich das Summen des Alarmsystems gehört habe, weil wieder einmal jemand nach dem Toilettengang seine Hände nicht gewaschen hat!

Zudem sollte das Gebäude regelmäßig von der Feuerwehr und Ihrer Versicherungsgesellschaft überprüft werden. Schließlich müssen die Anforderungen in Bezug auf Sicherheits-, Brandschutz- und Elektrizitätsvorschriften eingehalten werden.

James Burton

Das Gebäude sollte auch einen Computer zur Klimaregulierung besitzen, der alle eingegebenen Daten misst und Lichtzyklen, Belüftung, relative Luftfeuchtigkeit, Bewässerung sowie den Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit überwacht. Mithilfe eines computergesteuerten Bodenheizungssystems können Sie permanent eine Bodentemperatur von 19 bis 24 Grad Celsius aufrechterhalten.

Ferner benötigen Sie ein Ventilationssystem, das einen umfassenden, starken Luftstrom erzeugt. Dies schreckt fliegende Insekten ab und trägt zum Aufbau eines robusten Wurzelsystems bei.

4. AUSRÜSTUNG

Die zum Anbau und zur Verarbeitung der Pflanzen verwendeten Geräte sollten sauber sein sowie regelmäßig gewartet und geölt werden, um einen reibungslosen Arbeitsablauf zu gewährleisten, und sie sollten gegebenenfalls leicht zugänglich angebracht werden. Darüber hinaus müssen die zur Düngung eingesetzten Geräte regelmäßig geeicht werden.

Geräteteile, die direkt mit dem geernteten Cannabis in Kontakt kommen, müssen nach Gebrauch gereinigt werden, um sicherzustellen, dass daran haftende Überreste anschließend nicht zu einer Kreuzkontamination führen.

Den Angestellten sollte durch SOP-Ausbildungsvideos demonstriert werden, wie die Geräte bedient und geeicht werden.

Der Gewächshaus-Manager sollte regelmäßig die Messgeräteskalen sowie den Düngemittel- und Bewässerungsmesser auf ihre akkurate Funktion hin überprüfen. Er sollte auch darauf achten, dass alle Geräte ordnungsgemäß gereinigt und aufbewahrt werden.

So weit Teil 1 dieser Serie. Nächsten Monat werde ich im 2. Teil mithilfe von vier weiteren Einblicken darlegen, wie man einen legalen, professionellen Anbaubetrieb für Cannabis gründet und führt. Bleiben Sie dran!

James Burton errichtete die erste professionell betriebene Growing-Anlage für medizinisches Cannabis, die weltweit Standards gesetzt hat. Lesen Sie seine persönliche Geschichte hier.

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